Bei der Zahlenvorlage von Novartis am Dienstag steht die Frage im Fokus, wie stark die Generika-Konkurrenz im ersten Quartal auf die Margen gedrückt hat. Das Management hatte bereits gewarnt, dass der Effekt vor allem im ersten Halbjahr spürbar sein dürfte.
Laut dem AWP-Konsens, an dem neun Analysten mitgewirkt haben, dürfte Novartis im ersten Quartal einen Gruppenumsatz von 13'453 Millionen US-Dollar erzielt haben - ein leichtes Plus von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.
Deutlich stärker unter Druck stehen die Gewinngrössen: Der Core-EBIT dürfte um mehr als 7 Prozent auf 5'166 Millionen US-Dollar gesunken sein, die entsprechende Marge schrumpfte den Schätzungen zufolge um 3,7 Prozentpunkte auf 38,4 Prozent. Beim Reingewinn rechnen die Analysten mit einem Rückgang von rund 10 Prozent auf 4'021 Millionen US-Dollar. Und der Gewinn je Aktie dürfte von 2,28 auf 2,11 US-Dollar zurückgehen.
Wie steht es um die Patentklippe?
Analysten gehen davon aus, dass sich die Umsatzerosion durch Nachahmer bei Entresto, Tasigna und Promacta in den ersten drei Monaten klar zeigen wird. Im ersten Quartal 2025 gab es keine Generika für diese Produkte.
Laut UBS ist auch davon auszugehen, dass sich die Umsatzeibussen im Auftaktquartal 2026 im Vergleich zum Schlussquartal 2025 beschleunigt haben, da Generika von mehreren Herstellern auf den Markt gekommen sind und immer mehr Kostenträger ihre Arzneimittellisten auf Generika umstellen.
In der EU verliert das Herzmittel Entresto erst gegen Ende 2026 seinen Patentschutz - mögliche Prognosen zu den Auswirkungen könnten Investoren also durchaus interessieren.
Ist mit einem markant schwächeren Geschäft zu rechnen?
Während Analysten dem Basler Konzern zutrauen, in den ersten drei Monaten mehr umgesetzt zu haben, dürfte die Gewinnentwicklung hinter dem Vorjahr zurückbleiben. Der zuständige ZKB-Analyst schreibt, er rechne aus zwei Gründen mit einer anhaltenden Margen-Erosion: Neben den Patentabläufen der hochmargigen Produkte (Entresto, Promacta und Tasigna) sei Novartis gezwungen, stark zu investieren, da «am Ende der Dekade und in den Jahren darauf weitere grosse Blockbuster den Patentschutz verlieren werden».
Bei Umsatz dürften dagegen das Brustkrebsmittel Kisqali oder Scemblix (Leukämie) sowie Pluvicto (Prostatakrebs) dabei helfen, die Einbussen mehr als auszugleichen.
Gibt es wichtige Pipeline-Nachrichten?
Novartis hat seine Pipeline zuletzt auch über verschiedene Übernahmen und Lizenzabkommen aufgefüllt. Von daher dürfte es spannend sein, zu erfahren, wie etwa die Integration von Avidity läuft. Mit 12 Milliarden US-Dollar stellte diese Übernahme Ende Oktober 2025 einen der grössten Zukäufe seit langem dar. Novartis hatte sich 3 Forschungsprojekte damit ins Portfolio geholt.
Laut Goldman Sachs stehen bei dem Basler Konzern im laufenden Jahre die Ergebnisse aus drei richtungsweisenden Studien an: In der Horizon-Studie wird Pelacarsen bei Herz-Kreislauferkrankungen getestet, Remibrutinib bei Multipler Sklerose und in der zulassungsrelevanten Harbor-Studie Del-Desiran bei DMD - eines der Avidity-Projekte.
Wie steht es um die Jahresziele?
Das Novartis-Management hatte immer klar gemacht, dass die Umsatzerosion durch Nachahmer vor allem die erste Jahreshälfte belasten werde. Ab dem zweiten Semester dürften diese Effekte dann aber nachlassen und das Wachstum wieder im mittleren einstelligen Prozentbereich liegen. Ebenfalls kommuniziert hatte das Führungsteam, dass der Gewinn deutlich stärker leiden dürfte.
Konkret hatte Novartis zuletzt ein Umsatzplus im niedrigen einstelligen Prozentbereich in Aussicht gestellt und einen operatives Kernergebnis, das im tiefen einstelligen Prozentbereich sinkt.
Wie geht es dem Aktienkurs?
Am Montag ging es für die Aktie zwischenzeitlich 0,18 Prozent retour auf 113,50 Franken (Stand: Montagmittag). Trotzdem gehören die Titel von Novartis mit einem Plus von rund 3,74 Prozent seit Anfang Jahr zu den stärkeren Blue Chips. Der SMI hat sich im selben Zeitraum leicht negativ entwickelt (-0,89 Prozent). Bereits im Vorjahr entwickelten sich die Titel überdurchschnittlich.
Gemäss Daten von Bloomberg bewerten die Analysten den Titel folgendermassen: 12 mit «Buy», 14 mit «Hold» und drei mit «Sell». Das durchschnittliche Kursziel für die nächsten 12 Monate veranschlagen sie bei 122,11 Franken.
(AWP/cash)
