Sika hat ein anspruchsvolles Halbjahr hinter sich: So war der Bauchemie- und Klebstoffhersteller mit steigenden Kosten und einer Bauflaute in China konfrontiert. Laut Analysten dürfte das Innerschweizer Unternehmen aber im zweiten Quartal wieder zu organischem Wachstum zurückgekehrt sein.

Die 14 von der Nachrichtenagentur AWP befragten Experten erwarten im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatz von 5,442 Milliarden Franken, einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 1,021 Milliarden Franken bei einer Marge von 18,7 Prozent. Der Reingewinn sollte bei 523 Millionen Franken zu stehen kommen. 

Seit dem dritten Quartal 2025 ist Sika aus eigener Kraft nicht mehr gewachsen. Allerdings hat der Bauzulieferer das Minus im ersten Quartal überraschend auf 0,2 Prozent eingegrenzt. Analysten erwarten nun, dass er im zweiten Quartal die Wende geschafft und wieder in die Wachstumszone vorgestossen ist.

Am stärksten dürfte Sika in der Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) zulegt haben, besonders in Osteuropa, wo Verteidigungsausgaben helfen. Aber auch im Nahen Osten sollten sich seit Kriegsausbruch fortlaufende Verbesserungen zeigen. Der Nahe Osten steuert zwar nur einen kleinen Umsatzanteil bei, trug aber vor dem Krieg mit starken Wachstumsraten zum Umsatzplus bei. Auch in der Region Americas dürfte sich das Wachstum beleben, primär getrieben vom Rechenzentren-Boom.

China als Knackpunkt

Die Schwäche im chinesischen Wohnungsmarkt dürfte die Entwicklung in der Region Asien/Pazifik weiterhin bremsen. Analysten erwarten, dass dort im zweiten Halbjahr der Tiefpunkt erreicht werden dürfte. Zudem hat Sika auf die Schwäche in China bereits vergangenen Herbst mit einem Stellenabbau reagiert. Das Sparprogramm soll alleine in diesem Jahr 80 Millionen Franken an Einsparungen einspielen. Allerdings dürfte es laut Analysten seine Wirkung vorwiegend im zweiten Halbjahr entfalten - genauso wie die Preiserhöhungen. Die Marge dürfte daher im ersten Halbjahr noch etwas unter Druck sein.

Für das Gesamtjahr hat sich Sika vorgenommen, den in Lokalwährungen gerechneten Umsatz um 1 bis 4 Prozent zu steigern. Die EBITDA-Marge soll auf 19,5 Prozent bis 20,0 Prozent steigen. Analysten erwarten, dass dieser Ausblick bestätigt wird.

Einzig beim Margenausblick besteht laut den Experten das Risiko einer Senkung. So habe Sika zwar auf die steigenden Energiepreise rasch mit Preiserhöhungen reagiert, doch dürften diese genau wie die Sparmassnahmen zeitverzögert im zweiten Halbjahr zum Tragen kommen. Doch selbst wenn Sika den Ausblick senken würde, dürfte dies kaum Korrekturen der Margen-Schätzungen für 2026 auslösen - denn diese Schätzungen seien bereits eher tief.

Nach besser als erwartet ausgefallenen Zahlen zum ersten Quartal hatten die geschwächten Sika-Aktien im April zu einer Erholungsrally angesetzt. Diese wurde jedoch Anfang Juli von den neuerlichen Eskalationen im Nahen Osten torpediert - und dazu kam auch noch eine Verschärfung des Kartellverfahrens in der EU.

Insgesamt gehören die Sika-Titel derzeit zu den schwächsten Blue Chips. Während der Gesamtmarkt gemessen am Leitindex SMI seit Jahresbeginn ein Plus von rund 7 Prozent verzeichnet hat, haben die Sika-Titel rund 5 Prozent verloren.

Gemäss AWP-Analyser stufen 13 Analysten den Titel mit «Kaufen» ein, acht mit «Halten». Verkaufsempfehlungen gibt es nicht. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 187 Franken und damit über dem aktuellen Stand der Aktie von 160 Franken.

(AWP)