Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk setzt im verschärften Wettbewerb bei Abnehmmedikamenten grosse Hoffnungen auf seine neue Pille. Vor der Vorlage der Quartalszahlen am Mittwoch fordern Investoren jedoch Belege dafür, dass die rasant steigenden Verschreibungszahlen den wachsenden Preisdruck im Duell mit dem US-Rivalen Eli Lilly ausgleichen können. «Wir stecken mitten in der Bewährungsphase», sagte Mikael Bak, Vorsitzender der dänischen Aktionärsvereinigung. Entscheidend sei, ob der Konzern aus der Defensive wieder in die Offensive finden könnte.
Denn der Hersteller der bekannten Abnehmspritze Wegovy steht unter Druck: Enttäuschende Studiendaten zu einem Nachfolge-Wirkstoff, gesenkte Prognosen, ein Führungswechsel und ein massiver Kursverfall haben das Vertrauen der Anleger erschüttert. Seit dem Höchststand im Jahr 2024 hat Novo Nordisk mehr als 400 Milliarden Dollar an Börsenwert eingebüsst.
Erste Signale für die neue Pille sind zwar vielversprechend. Nach Daten des Marktforschers IQVIA wurden im ersten Quartal in den USA rund 721.000 Rezepte ausgestellt, mehr als von vielen Beobachtern erwartet. Da in den Daten einige autorisierte Telemedizin-Anbieter nicht erfasst seien, könnte die tatsächliche Patientenzahl sogar noch höher liegen, sagte Analyst Evan Seigerman von BMO Capital Markets.
Doch hohe Volumina bedeuten nicht automatisch hohe Erlöse. Rund 450.000 Rezepte entfielen auf die günstigste Einstiegsdosis von 1,5 Milligramm, die 149 Dollar pro Monat kostet. BMO Capital Markets schätzt deshalb, dass der Umsatz mit der Pille im ersten Quartal rund zwölf Prozent unter den Markterwartungen von etwa einer Milliarde Dollar geblieben sein könnte. Novo Nordisk lehnte eine Stellungnahme im Vorfeld der Zahlen ab.
Auch Barclays-Analyst James Gordon sieht offene Fragen. Zwar sei der Marktstart besser verlaufen als erwartet. Unklar sei jedoch, ob viele Patienten länger bei der günstigeren Einstiegsdosis blieben oder die Behandlung frühzeitig abbrächen. Die Nachfrage nach höheren Dosierungen wachse bislang langsamer als bei einem normalen Therapieverlauf zu erwarten wäre.
Unterdessen nimmt der Konkurrenzdruck weiter zu. Anfang April erhielt Eli Lilly die US-Zulassung für seine eigene Abnehmpille Foundayo. Damit endete die Zeit von Novo Nordisk als alleinigem Anbieter einer solchen Pille auf dem US-Markt. Zugleich verschärft sich der Preisdruck, auch durch die Forderungen von US-Präsident Donald Trump nach niedrigeren Medikamentenkosten. «Der Start ist zweifellos stark», sagte Novo-Aktionär Lukas Leu. «Offen ist aber, ob das ausreicht, um den sich beschleunigenden Preisverfall zu kompensieren.»
Viele Investoren rechnen daher damit, dass Novo Nordisk seine Jahresprognose zunächst unverändert lässt, bis klarer wird, wie sich die neue Pille im direkten Wettbewerb mit Eli Lilly behauptet. Für die Anleger bleibt der Vergleich mit dem US-Konkurrenten zentral, dem Beobachter zuletzt sowohl bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe als auch bei Übernahmen die entschlossenere Strategie attestieren. «Wir sehen erste, wenngleich vorläufige Fortschritte», sagte Anders Schelde vom Novo-Aktionär AkademikerPension. «Doch wir stehen noch am Anfang, erst die Zukunft wird zeigen, ob das tatsächlich ausreicht.»
(Reuters)

