Der Luxusgüterkonzern Richemont publiziert am Freitag, 22. Mai, das Geschäftsergebnis 2025/26 (per 31. März).
Gemäss den zehn Analysten, die zum AWP-Konsens beigetragen haben, dürfte Richemont sich im Geschäftsjahr 2025/26 gut behauptet haben. Dabei profitiert die Genfer Gesellschaft, die für Marken wie Cartier oder IWC bekannt ist, vor allem von ihrem dominanten Schmuckgeschäft. Die Unsicherheiten und Risiken sind jedoch nach wie vor zahlreich.
Demnach rechnen die Analysten mit einem Umsatzanstieg von 21,4 auf 22,2 Milliarden Euro hin, ein Plus von rund 800 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Das organische Wachstum dürfte sich dabei von 4,0 auf 9,8 Prozent deutlich beschleunigt haben. Das Schmuckgeschäft soll von 15,3 auf 16,5 Milliarden Euro zugelegt haben, während der Uhrenbereich von 3,3 auf 3,2 Milliarden Euro leicht zurückgegangen sein dürfte.
Beim Betriebsgewinn (EBIT) erwarten die Analysten einen Anstieg von 4'467 auf 4'548 Millionen Euro, die EBIT-Marge dürfte dabei leicht von 20,9 auf 20,5 Prozent nachgeben. Und der Reingewinn soll gegenüber dem Vorjahr von 2,75 auf 3,6 Milliarden Euro deutlich zulegen.
Auch die Anleger dürften sich über eine höhere Ausschüttung freuen. Als Dividende je Aktie werden 3,36 Franken erwartet, nach 3,00 Franken im Vorjahr.
Wie stark erholt sich der Uhrenbereich?
Während der Schmuckbereich von Richemont nach Einschätzung von Analysten deutlich zugelegt haben dürfte, rechnen die Experten für den Uhrenbereich mit einem Rückgang der Verkäufe. Das zeigte sich bereits bei Wettbewerbern. Konkurrenten berichteten zudem für die Monate Januar bis März 2026 mit einer weiterhin positiven Konsumentenstimmung in den USA. Ein wesentlicher Fokus der Investoren wird auch auf der Entwicklung der Konsumentenstimmung in Europa liegen.
Ein vielbeachtetes Thema in der Luxusgüterindustrie bleibt die US-Zollpolitik. Bei Richemont dürften die US-Zölle im zweiten Halbjahr 2025/26 stärker auf die Margen gedrückt haben. Im ersten Halbjahr konnten die Auswirkungen noch teilweise abgefedert werden mit Verkäufen aus bestehenden Lagerbeständen, wie das Management in Aussicht gestellt hatte.
Belastend ist der Iran-Krieg: «Nach den zu Jahresbeginn verzeichneten Umsatzsteigerungen und der verbesserten Stimmung in China steht die Luxusbranche aufgrund des rückläufigen Tourismus im Nahen Osten vor einer weiteren Bewährungsprobe», schreibt die Bank Vontobel. Die Schmuckstärke und die solide Finanzlage von Richemont sorge jedoch für eine hohe Widerstandsfähigkeit und für Handlungsspielraum in diesem volatilen Umfeld.
Weitere Unsicherheiten sind die Wechselkurse und der Goldpreis. Bei letzterem bleibe die Weitergabe an die Endkunden für Richemont ein Balanceakt, schreibt die ZKB. Währungsseitig belastet insbesondere der schwache US-Dollar. Belastend für den Konsum seien zudem höhere Benzinpreise, ein anhaltender Inflationsdruck, steigende Flugticketpreise sowie eine insgesamt unsichere Lage in der Reiseindustrie.
Welche Ziele hat das Management ausgegeben?
Die Richemont-Gruppe gibt üblicherweise keinen finanziellen Ausblick ab. Verwaltungsratspräsident Johann Rupert sprach zuletzt Mitte November von einer Belastungsprobe in den vorangegangenen Monaten. Richemont sei mit konjunkturellen Herausforderungen, Währungsschwankungen, steigenden Goldpreisen und der Einführung von US-Zöllen konfrontiert gewesen.
Auch in Zukunft werde das Unternehmen durch unsichere Zeiten navigieren müssen, hielt der Präsident damals weiter fest. «In China zum Beispiel ist die Erholung nach wie vor unbeständig und der externe Druck auf das Geschäft scheint nicht nachzulassen.»
Richemont notieren an der Schweizer Börse bei 156,10 Franken die Aktie (Stand: Donnerstag 15.10 Uhr). Im Jahreshoch Mitte Januar kosteten sie noch 180,00 Franken und fielen bis zum 23. März auf 127,20 Franken. Ein Allzeithoch markierten die Titel des Luxusgüterkonzerns im Februar 2025 bei 187,55 Franken.
(AWP/cash)
