Das US-Finanzministerium begründete den Schritt ‌am Donnerstag ⁠mit mutmasslichen Verstössen gegen Sanktionen im Zusammenhang mit dem Iran, Russland und Venezuela. Die Bank und ihre Mitarbeiter sollen Korruption ⁠im Zusammenhang mit Geldwäsche für russische und venezolanische Akteure ermöglicht haben.

Zudem wird ihnen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung im Auftrag der iranischen Revolutionsgarden und deren Al-Kuds-Brigaden vorgeworfen, die beide ‌auf US-Sanktionslisten stehen.

«MBaer hat mehr als hundert Millionen Dollar für illegale Akteure mit ‌Verbindungen zum Iran und zu Russland durch das US-Finanzsystem geschleust», ​erklärte US-Finanzminister Scott Bessent. «Banken sollten gewarnt sein, dass das US-Finanzministerium die Integrität des US-Finanzsystems mit der vollen Härte unserer Befugnisse aggressiv schützen wird.» Die Bank kündigte an, sich nach Rücksprache mit ihren US-Anwälten zu den Vorwürfen zu äussern.

Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma teilte mit, sie habe ihr eigenes Verfahren gegen die Bank vor drei Wochen abgeschlossen. Wegen eines Einspruchs von MBaer habe die Behörde ihre ‌Massnahmen jedoch nicht umsetzen können. Sie habe jedoch einen Prüfbeauftragten als Beobachter bei der Bank eingesetzt.

MBaer erklärte, man kooperiere vollständig mit den Behörden und unterstütze die Arbeit des Prüfers. Die Bank verfüge weiterhin über eine solide Kapital- und Liquiditätsbasis und führe ​ihre Geschäftstätigkeit so weit wie möglich fort.

Das Finanzministerium schlug eigenen Angaben zufolge eine Regeländerung vor, die ​es US-Finanzinstituten verbieten würde, Korrespondenzkonten für MBaer zu eröffnen oder zu führen. ​Die USA sind der mächtigste Regulator der Welt, vor allem weil sie einer Bank den Zugang zum Dollar, dem Eckpfeiler des internationalen Finanzwesens, entziehen können. Die ‌letzte europäische Bank, die ein solches Schicksal erlitt, war die lettische ABLV, die 2018 geschlossen wurde, nachdem US-Behörden ihr Geldwäsche und Verstösse gegen US-Sanktionen vorgeworfen hatten. Daten, die von einer Einheit des US-Finanzministeriums veröffentlicht wurden, deuten darauf hin, dass es das erste Mal ist, ​dass ​die USA damit drohen, eine solche Massnahme, die nach den Anschlägen ⁠vom 11. September 2001 in Kraft getreten ist, gegen eine Schweizer Bank ​anzuwenden.

Die auf Finanzkriminalität spezialisierte Abteilung ⁠des Ministeriums, FinCEN, wirft der MBaer vor, Briefkastenfirmen genutzt zu haben, um die Hintermänner von Transaktionen zu verschleiern. Dabei hob sie ‌Geldtransfers im Zusammenhang mit dem venezolanischen staatlichen Ölkonzern PDVSA seit 2020 hervor. FinCEN wies zudem auf den hohen Anteil russischer Kunden bei der Bank hin, darunter auch solche, die Sanktionen unterliegen.

MBaer wurde 2018 von Michael Bär ‌gegründet, einem ehemaligen Konzernleitungsmitglied des um ein Vielfaches grösseren Vermögensverwalters Julius Bär, der von seinem Urgrossvater ​gegründet worden war. In einem im Oktober 2023 veröffentlichten Interview mit dem Schweizer Finanzportal «Finews» gab Michael Bär an, die Bank verwalte Vermögen in Höhe von 3,5 Milliarden Franken.

(Reuters)