In Japan hat am Sonntag eine Parlamentswahl begonnen, bei der ein klarer Sieg für Ministerpräsidentin Sanae Takaichi erwartet wird. Rekordschneefälle könnten jedoch die Wahlbeteiligung senken. Umfragen ‌zufolge ‌dürfte die konservative Koalition der ersten Regierungschefin des Landes rund 300 der 465 Sitze im Unterhaus gewinnen. Dies wäre ein deutlicher Zuwachs gegenüber den 233 Sitzen, die sie derzeit hat. Sollte das ​Bündnis aus Takaichis Liberaldemokratischer Partei (LDP) und der Japan Innovation Party (Ishin) 310 ‌Sitze erringen, könnte es das Oberhaus überstimmen, in ‌dem es keine Mehrheit hat. Takaichi hat für den Fall, dass die Koalition ihre Mehrheit verliert, ihren Rücktritt angekündigt.

Die 64-jährige Takaichi, die im Oktober zur Ministerpräsidentin ernannt wurde, hatte die seltene Winterwahl ausgerufen, um sich ihre populäre Politik von den Wählern bestätigen zu lassen. Mit ⁠ihrer direkten Art und ihrer Arbeitsmoral hat sie vor allem bei jüngeren Wählern an Unterstützung gewonnen. In den sozialen Medien hat sie eine als «Sanakatsu» bezeichnete Begeisterungswelle ausgelöst. Sie hat die ​Militärausgaben zur Abschreckung Chinas erhöht und eine Senkung der Mehrwertsteuer vorangetrieben, was ‌die Finanzmärkte verunsichert hat. «Wenn Takaichi einen deutlichen Sieg ‍erringt, wird sie mehr politischen Spielraum haben, um wichtige Versprechen einzulösen, darunter die Senkung der Verbrauchssteuer», sagte Seiji Inada, Geschäftsführer ​der Beratungsfirma FGS Global. «Die Märkte könnten in den folgenden Tagen reagieren, und der Yen könnte erneut unter Druck geraten.»

Am Sonntag wurden in den nördlichen und östlichen Landesteilen bis zu 70 ‌Zentimeter Schnee erwartet. Nach Angaben des Verkehrsministeriums wurden landesweit ⁠37 Zuglinien und 58 Fährverbindungen eingestellt sowie 54 Flüge ‌gestrichen. Die Wahlbeteiligung bei den letzten Unterhauswahlen lag bei etwa 55 Prozent. Ein Rückgang am Sonntag könnte den Einfluss ‍von Wählergruppen mit einer treuen Basis verstärken. Dazu gehört die Komeito-Partei, die im vergangenen Jahr ihre Koalition mit der LDP verlassen hat und sich einem Bündnis ​der Mitte mit der wichtigsten Oppositionspartei, der Konstitutionell-Demokratischen Partei Japans, angeschlossen hat. Am ‍Donnerstag sprach zudem US-Präsident Donald Trump Takaichi seine Unterstützung aus. Die Wahllokale schliessen um 20.00 Uhr Ortszeit respektive 12.00 Uhr MEZ. 

(Reuters)