Wahlen in FrankreichFrankreichs Asset Manager: Keine Angst vor Marine Le Pen

Weit weg von Paris sorgen sich globale Investoren um Risiken für Anlagewerte aller Klassen, falls die EU-kritische Rechtspopulistin Marine Le Pen die Präsidentschaftswahlen gewinnen sollte. Anders in Frankreich selbst.
20.03.2017 19:15
Der Eiffelturm in Paris. Die kommenden Wahlen sind für Frankreich richtungsweisend.
Der Eiffelturm in Paris. Die kommenden Wahlen sind für Frankreich richtungsweisend.
Bild: pixabay.com

Die grössten französischen Vermögensverwalter, die zusammen ein Anlagevolumen von 2,8 Billionen Euro betreuen, halten an ihren europäischen Aktienpositionen fest. Amundi und Axa Investment Managers zählen zu denjenigen, die dem Wahlausgang zuversichtlich gegenüberstehen.

Im Zentrum der Diskrepanz steht, wie die Marktteilnehmer die Dynamik des französischen Wahlverfahrens interpretieren - von den Meinungsumfragen bis zur Koalitionsbildung nach dem zweiten und letzten Gang zur Wahlurne am 7. Mai. Umfragen sehen Le Pen, die Vorsitzende des Front National, bei der ersten Wahlrunde am 23. April als Gewinnerin und zwei Wochen später als Verliererin.

Französische Fondsmanager halten es für möglich, dass an den Märkten Volatilität aufflackern wird. Sie gehen jedoch auch davon aus, dass am Ende ein gemässigterer Kandidat das Rennen um die Präsidentschaft machen wird. Daher sagen sie, dass sich Investoren wieder auf die Fundamentaldaten zurückbesinnen sollten: die Konjunkturerholung im Lande und die stärkeren Unternehmensergebnisse.

CAC 40 läuft unterdurchschnittlich

Frankreichs Benchmark-Index CAC 40, mit einem Börsenwert von 1,1 Billionen Euro, entwickelt sich seit Jahresanfang schlechter als der deutsche Dax. Gleichzeitig hat sich die Renditedifferenz zwischen den zehnjährigen Staatsanleihen beider Länder so stark ausgeweitet wie seit der Staatsschuldenkrise im Euroraum 2012 nicht mehr.

Globale Investoren haben vergangenes Jahr netto 113 Mrd. Dollar aus europäischen Fonds abgezogen, und dieses Jahr sind bislang gerademal 1,3 Mrd. Dollar wieder zugeflossen, wie aus Angaben von Bank of America Merrill Lynch unter Verweis auf Daten von EPFR Global hervorgeht. Die Stimmung in Bezug auf französische Aktien ist so schlecht wie seit fast zwei Jahren nicht mehr und der französische Aktienindex ist laut BofA der am wenigsten favorisierte.

Im Folgenden die Ansichten von fünf der grössten französischen Asset Manager zum potenziellen Ergebnis der Wahlen sowie ihre allgemeine Markteinschätzung:

Amundi

Das französische politische Risiko wird überschätzt, sagt Philippe Ithurbide, weltweiter Leiter Research, Strategie und Analyse bei Amundi. Die Gesellschaft betreut ein Anlagevolumen von 1,1 Billionen Euro.

"Eine Sache, die ausländische Investoren nicht wirklich verstehen, ist das Zwei-Runden-System bei den französischen Präsidentschaftswahlen", sagt Ithurbide. "Le Pen kann in der ersten Runde vorne liegen, aber die zweite Runde ist wie eine völlig neue Wahl. Für globale Investoren ist das Risiko binär: Wird das Wahlergebnis die Europäische Union gefährden oder nicht? Wenn Le Pen verliert, hat der Markt Aufwärtspotenzial."

Amundi ist übergewichtet bei europäischen Aktien, wie Ithurbide erläutert. Er verweist auf attraktive Bewertungen und Dividendenrenditen, die zu den höchsten weltweit zählen. Zudem favorisiert der Fondsmanager europäische Unternehmensanleihen.

AXA Investment Managers

AXA Investment Managers ist relativ zuversichtlich in Bezug auf das Endspiel, erwartet aber eine holprige Strecke bis zur Wahl. "Es wird sicherlich Volatilitätsspitzen geben", sagt Maxime Alimi. Er ist Investment-Manager bei AXA IM, die 717 Mrd. Euro verwaltet.  

"Aber die Chancen von Le Pen erscheinen ziemlich gering, und anders alsDonald Trump, ist sie kein neues Phänomen. Wenn es ihr gelingen sollte, die Wahlen zu gewinnen, steht sie vor der Situation, dass die EU-Mitgliedschaft Frankreichs in der Verfassung festgeschrieben ist. Das zu ändern, ist so was wie eine Mission Impossible."

AXA IM ist bei europäischen Aktien neutral gewichtet und will ihr Engagement erst erhöhen, wenn die Wahl vorüber ist. "Es könnte passieren, dass sich europäische Aktien in der zweiten Jahreshälfte besser entwickeln als US-Aktien. Das hat es auf nachhaltiger Basis seit 2009 nicht mehr gegeben", sagt Alimi.

Natixis Asset Management

Für Yves Maillot von Natixis Asset Management mit einem Anlagevolumen von 360 Mrd. Euro sind die Chancen, dass Le Pen die Wahlen gewinnt gering. Anders als bei der Brexit-Abstimmung oder den US-Präsidentschaftswahlen, seien Le Pens Werte in den Umfragen für die zweite Wahlrunde weit weg von der Fehlermarge.

"Globale Investoren sehen eine höhere Wahrscheinlichkeit für ein Le-Pen-Szenario als die jüngsten Umfragen zeigen", sagt Maillot, Leiter Aktien Europa, "das erklärt die leicht unterdurchschnittliche Entwicklung französischer Aktien bislang in diesem Jahr und den Mangel an Zuflüssen in europäische Aktien."

Natixis AM ist übergewichtet bei Aktien aus entwickelten Märkten, mit einer Neigung zu europäischen Aktien, aufgrund der positive Dynamik der makroökonomischen Daten der Region.

La Francaise

"Wir teilen die Angst der ausländischen Investoren zu den französischen Wahlen nicht", sagt Pascale Auclair, Managing Director und Investment-Chef bei La Francaise. Die Gesellschaft betreut 60 Mrd. Euro. "Die Situation ist ziemlich volatil und das Ergebnis ist immer noch sehr unsicher, aber unser zentrales Szenario bleibt, dass ein moderater Kandidat obsiegen wird. die politische Unsicherheit ist momentan so hoch, dass es eine Erlösungsrally geben könnte, wenn die Wahlen vorüber sind."

La Francaise ist derzeit übergewichtet bei "Risiko", mit einer neutral bis positiven Haltung zu Aktien allgemein. "Wir warten auf weitere Anzeichen für eine Wende bei den Unternehmensergebnissen bevor wir unser Engagement in Aktien erhöhen", sagt Auclair.

BNP Paribas Investment Partners

Thierry Creno ist vorsichtiger. Der Leiter Multi-Asset-Solutions Frankreich bei BNP Paribas IP mit einem Anlagevolumen von 560 Mrd. Euro geht davon aus, dass das politische Risiko noch eine Weile andauern wird. "Die politischen Unsicherheiten in Europa werden nach der Präsidentschaftswahl in Frankreich nicht verschwinden. Es wird wahrscheinlich vor Jahresende noch Wahlen in Italien geben."

BNP Paribas IP ist untergewichtet bei Aktien aus entwickelten Märkten und Hochzinsanleihen, übergewichtet bei liquiden Mitteln und "wartet auf bessere Gelegenheiten." Der Asset Manager setzt Optionen auf Aktien aus dem Euroraum ein, um Portfolios vor den Wahlen in Frankreich abzusichern.

(Bloomberg)