Raketenmodelle in den Foyers der Wall-Street-Banken und Elon Musk, der von Mars-Kolonien schwärmt: Mit aufwendig inszenierten Veranstaltungen bereiten US-Grossbanken den Boden für den grössten Börsengang der Geschichte. Sie wollen die Anleger für das 75 Milliarden Dollar schwere Mega-Debüt von Musks Raumfahrtkonzern SpaceX in Stimmung bringen. Den Auftakt bildete am Donnerstag eine Veranstaltung bei JPMorgan, bei der Musk die Fantasie der Investoren beflügeln und ihre Geldbeutel öffnen sollte.
«Wir stehen vor einer enormen neuen Wachstumsphase, und dafür benötigen wir Kapital», sagte er in einem Gespräch mit Jamie Dimon, dem Chef der US-Grossbank JPMorgan. Er sei «ziemlich zuversichtlich» hinsichtlich der Umsatzprognosen des Unternehmens, die «wesentlich besser vorhersehbar» seien als früher. Einem Insider zufolge fiel die Entscheidung über den Musk-Auftritt in letzter Minute.
Die Veranstaltung im New Yorker JPMorgan-Hauptquartier verfolgten 3500 Kunden der Grossbank. Persönlich vor Ort waren Gwynne Shotwell, die das Tagesgeschäft von SpaceX verantwortet, und Finanzchef Bret Johnsen. Auch Musks Mutter Maye war im Saal. Auf riesigen Leinwänden liefen Aufnahmen von Raketenstarts, und in der Lobby des Gebäudes wurde der Slogan «Go for Launch» («Auf zum Start») meterhoch an die Wand projiziert.
SpaceX-Debüt sprengt mehrere Rekorde
SpaceX bietet 555,6 Millionen neue Aktien zu einem Festpreis von jeweils 135 Dollar an. An diesem werde das Unternehmen nicht rütteln, betonten Insider. Mit einem Emissionsvolumen von 75 Milliarden Dollar übertrifft der Börsengang das bisherige Rekorddebüt des Ölkonzerns Saudi Aramco aus dem Jahr 2019 um das Dreifache. Auf Basis des Angebotspreises kommt der Raumfahrtkonzern auf eine Marktkapitalisierung von 1,75 Billionen Dollar und würde damit aus dem Stand zu den zehn wertvollsten Börsenwerten zählen. Musk, der bereits als reichster Mensch der Welt gilt, könnte dadurch zum ersten Billionär der Geschichte aufsteigen.
Bis zur Erstnotiz, die für den 12. Juni erwartet wird, sind zahlreiche Investorenveranstaltungen in den ganzen USA geplant. Die Bank of America (BofA) dekorierte die Lobby ihres Hauptquartiers mit Raketen und Raumfahrtmotiven. Das Geldhaus koordiniert die Zuteilung der SpaceX-Aktien an Privatanleger. Musk hat einen ungewöhnlich hohen Anteil von 30 Prozent für diese Gruppe reserviert. Damit will er die Unterstützung durch seine Fans würdigen. Shotwell und Johnsen sollen auch bei der BofA-Veranstaltung auftreten. Die Privatkundenbank der Bank of America und Merrill Lynch haben mehr als 5000 Kunden zu Auftaktveranstaltungen eingeladen, die von dem Geldhaus ausgerichtet und per Video in die US-weiten Merrill-Niederlassungen übertragen werden.
Goldman Sachs stellt ebenfalls Raketenmodelle im Eingangsbereich der New Yorker Zentrale aus. Einem Insider zufolge vermittelt das Geldhaus üblicherweise den Kauf grösserer Aktienpakete an finanzstarke Investoren. Insidern zufolge reissen sich Anleger um die Papiere von SpaceX.
Bleiben Investoren aus China aussen vor?
Für Investoren aus China ist die Teilnahme am weltgrössten Börsengang dagegen schwierig: Die Internetseite von SpaceX und der Börsenprospekt sind von Festlandchina und Hongkong aus nicht abrufbar, wie Versuche der Nachrichtenagentur Reuters ergaben. SpaceX war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.
Die angezeigte Fehlermeldung lässt Experten zufolge darauf schliessen, dass SpaceX Zugriffe aus China verweigert. Dies sei für Privatfirmen eher ungewöhnlich, zumal Musk in der Volksrepublik über einen hohen Bekanntheitsgrad verfüge. Der von ihm ebenfalls geleitete Elektroautobauer Tesla produziert dort Fahrzeuge. Im Februar hatten zwei US-Senatoren auf eine Untersuchung über einen angeblichen heimlichen Einstieg chinesischer Investoren bei SpaceX gedrungen.
Der Raumfahrtkonzern spielt eine grosse Rolle für die nationale Sicherheit der USA. Er startet jährlich mehr Raketen als sämtliche anderen privaten und staatlichen Anbieter zusammengerechnet. Die Tochter Starlink betreibt etwa 60 Prozent aller Satelliten in der Erdumlaufbahn.
(Reuters)

