Warnende Branchenstudie - Investitionsgüteraktien droht ein Kursdebakel

Der britische Broker Liberum kürzt die Gewinnerwartungen für europäische Investitionsgüterfirmen und warnt vor Folgen für die Aktienkursentwicklung. Nur einer Schweizer Aktie aus dem SMI traut man steigende Kurse zu.
06.09.2018 08:30
Von Lorenz Burkhalter
Beim ABB-Hauptsitz in Oerlikon ZH.
Beim ABB-Hauptsitz in Oerlikon ZH.
Bild: cash

In der Schweiz ist Liberum wohl nur wenigen gängig. Anders in Grossbritannien, wo der Broker seinen Sitz hat. Dort haben dessen Aktienanalysen ziemlich Gewicht.

Am frühen Donnerstagmorgen sorgt Liberum mit einer Branchenstudie für Aufsehen. Darin stufen die beiden Autoren die europäischen Investitionsgüteraktien in Erwartung eines Kursdebakels als Ganzes auf "Verkaufen" herunter.

Dieser Schritt geht mit einschneidenden Gewinnschätzungsreduktionen einher. Auf das Jahr 2020 bezogen liegen die überarbeiteten Prognosen der für Liberum tätigen Analysten um bis zu 20 Prozent unter den Erwartungen anderer Berufskollegen.

Hauseigener Konjunkturindikator gibt ein Verkaufssignal

Das gilt insbesondere für die Aktien von Assa Abloy, IMI, Sandvik, Schneider Electric und SKF. Sie alle gelten neuerdings als Schlüsselverkaufsempfehlungen.

Diese doch sehr pessimistische Haltung bei Liberum lässt sich mit dem hauseigenen Konjunkturindikator ECI erklären. Zuletzt fiel der ECI unter den Stand von 1,10. Das war seit 1970 bei einer gleichzeitig flachen Zinskurve bisher siebenmal der Fall. Den Analysten zufolge brach der europäische Index für Investitionsgüteraktien bei sechs der sieben Gelegenheiten über eine Zeitspanne von acht Monaten um durchschnittlich 33 Prozent ein.

Kursentwicklung der beiden bekannten Schweizer Branchenvertreter ABB (rot) und Schindler (grün) über die letzten fünf Jahre (Quelle: www.cash.ch)

Im Winter des Jahres 2007 verlor der Branchenindex gar 55 Prozent, ziemlich genau sieben Jahre zuvor immerhin 47 Prozent. Anders als damals kämen heute Lieferschwierigkeiten sowie rekordhohe Warenlager hinzu, so die Studienautoren.

Überraschend zuversichtlich bleiben die Analysten für die Aktie von ABB. Sie bezeichnen das Schweizer Industrie-Urgestein als Schlüsselkaufempfehlung und geben ein Kursziel von 30 Franken an. Ihres Erachtens sollte ABB vom strukturellen Wachstum in der Automation sowie von den spätzyklischen Geschäftsaktivitäten profitieren.

Schweizer Investitionsgüteraktien werden sich nicht entziehen können

Mit Schindler deckt Liberum ein weiteres Investitionsgüterunternehmen aus der Schweiz ab. Der Partizipationsschein des Aufzugs- und Rolltreppenherstellers wird mit Halten eingestuft, obschon sich vom 215 Franken lautenden Kursziel eine rückläufige Kurserwartung ableiten lässt.

Auf die Branchenstudie angesprochen, fehlt hiesigen Beobachtern allerdings der Glaube, dass sich die Valoren von ABB und Schindler einem Kursdebakel bei europäischen Investitionsgüteraktien einfach so entziehen können.