Wenn US-Präsident Donald Trump kommende Woche nach Peking reist, wird er auf ein neues chinesisches Selbstbewusstsein treffen. Die Zeiten, in denen seine Drohungen mit Strafzöllen in den Chefetagen chinesischer Exportfirmen für Panik sorgten, ‌sind vorbei. ⁠Viele Unternehmer sind gegenüber den Ankündigungen aus Washington gelassener geworden. Die Haltung fasst die Verkaufsleiterin Yu Yangxian zusammen, deren Firma ⁠einen Grossteil ihrer Waren in die USA liefert: «Ob er zum Verhandeln kommt oder um Streit zu suchen, ist für uns keine grosse Bedrohung.»

Ein ‌Grund für diese neue Gelassenheit ist eine strategische Neuausrichtung. Während die Exporte in ‌die USA im vergangenen Jahr um 20 Prozent einbrachen, ​erschloss China erfolgreich neue Märkte. Die Ausfuhren nach Afrika schossen um fast 26 Prozent nach oben, nach Lateinamerika um gut sieben Prozent und in die EU um mehr als acht Prozent. Das Ergebnis war ein Rekord-Handelsüberschuss von 1,2 Billionen Dollar - eine Summe, die der gesamten Wirtschaftsleistung der Niederlande entspricht. «Solange die USA weiter Handel treiben, werden sie mit ‌uns Geschäfte machen müssen», sagt Verkaufsleiterin Yu. «Chinas Lieferketten und die Produktqualität sind stark.»

Hinzu kommt Chinas entscheidender Vorteil im globalen Wirtschaftskrieg: die Kontrolle über unverzichtbare Rohstoffe und Produkte. Als Trump die Zölle erhöhte, reagierte China mit Exportkontrollen für Seltene Erden. Diese sind ​für die Herstellung von Halbleitern und für die Verteidigungsindustrie unerlässlich. «Die Seltenen Erden sind die entscheidende Trumpfkarte», erklärt ​der Lieferketten-Berater Cameron Johnson. Seiner Ansicht nach könnte China auch die ​Lieferung von Pharmazeutika, Industriemaschinen oder Transformatoren drosseln, die für den Ausbau des US-Stromnetzes benötigt werden. Dies sei der Grund, warum das Weisse Haus nun ‌wieder gesprächsbereiter sei.

«Jeder ist jetzt froh darüber»

Diese neue Realität hat direkte Folgen für Unternehmen weltweit. Der Druck zum sogenannten De-Risking – also der Verlagerung der Produktion aus China, um Risiken zu streuen – hat nachgelassen. Viele Firmen, die während Trumps erster Amtszeit noch ​eilig nach ​Alternativen in Vietnam, Thailand oder Indien suchten, fahren ihre ⁠Verlagerungspläne nun zurück. «Wir haben alle gelernt, keine drastischen Massnahmen zu ergreifen», erklärt Jonathan ​Chitayat, dessen Firma für ⁠US-Kunden produziert. «Jeder, der abgewartet hat, ist jetzt froh darüber.» Auch Mike Sagan, dessen Medizintechnik-Unternehmen zu 80 Prozent von chinesischen Zulieferern abhängt, ‌bestätigt den Wandel: «Die Panik hat nachgelassen, und die Leute haben sich ein dickeres Fell zugelegt, wenn Trump eine Erklärung abgibt.»

Trotz des neuen Selbstbewusstseins auf chinesischer Seite blickt die amerikanische Handelskammer in Shanghai ‌mit gedämpften Erwartungen auf Trumps Besuch. Zwar sei jeder Dialog besser als ein Handelskrieg, doch ​die Unternehmen bräuchten mehr als eine vorübergehende Pause bei Zöllen und Sanktionen. «Ein Waffenstillstand ist grossartig, aber ein Waffenstillstand ist eben nur vorübergehend», betont Kammerpräsident Eric Zheng. «Wir brauchen Planungssicherheit. Unternehmen müssen langfristig planen können, nicht nur für die nächsten 90 Tage.»

(Reuters)