Der spektakuläre Börsengang des Chip-Herstellers CXMT rückt ein Unternehmen ins Rampenlicht, das für Chinas Streben nach technologischer Unabhängigkeit steht wie kaum ein anderes. Mit einem Kurssprung von zeitweise mehr als 500 Prozent wurde CXMT am Montag auf Anhieb zum wertvollsten börsennotierten Unternehmen des Landes. Der Erfolg an der Börse ist jedoch nur ein Aspekt. Viel wichtiger ist die strategische Rolle, die CXMT für die Regierung in Peking spielt: Es soll Chinas Abhängigkeit von ausländischen Speicherchips beenden.
Das stellt CXMT her
CXMT ist Chinas führender Hersteller von DRAM-Speicherchips. Diese Arbeitsspeicher sind ein zentraler Baustein in praktisch allen modernen Elektronikgeräten - von Smartphones über Computer bis hin zu Servern für Künstliche Intelligenz (KI). Lange wurde dieser globale Markt von den südkoreanischen Konzernen Samsung und SK Hynix sowie dem US-Unternehmen Micron dominiert. CXMT ist inzwischen zur weltweiten Nummer vier aufgestiegen. Seinem Börsenprospekt zufolge hielt es 2025 einen Marktanteil von 7,7 Prozent. Wegen der hohen KI-Nachfrage konnte das Unternehmen seinen Umsatz im ersten Quartal um mehr als 700 Prozent steigern.
Konkurrenz aus den USA
Für China schliesst CXMT eine strategische Schwachstelle. Seit Jahren versucht die Regierung in Peking, die Abhängigkeit von ausländischen Halbleitern und der dazugehörigen Technologie zu verringern. Dieser Kurs hat sich verschärft, seit die USA und ihre Verbündeten die Exportkontrollen für moderne Chips und Produktionsanlagen verschärft haben. CXMT wird daher massiv staatlich gefördert. Vor dem Börsengang hielten staatliche Investoren, darunter lokale Regierungsfonds und Chinas als «Big Fund» bekannter Halbleiter-Investitionsfonds, mehr als 36 Prozent der Anteile.
Die Schwächen
Trotz des rasanten Wachstums und der starken staatlichen Unterstützung steht CXMT vor erheblichen Herausforderungen. Das Unternehmen hat einen technologischen Rückstand gegenüber den Marktführern - insbesondere bei hochmodernen HBM-Speicherchips, die für KI-Anwendungen wichtig sind. Zudem ist der Konzern direkt von geopolitischen Risiken betroffen. Die US-Exportkontrollen beschränken den Zugang zu den modernsten Chip-Fertigungsanlagen, etwa vom niederländischen Hersteller ASML. Das US-Verteidigungsministerium stufte CXMT zudem im Juni als «chinesisches Militärunternehmen» ein. Eine Aufnahme auf die sogenannte «Entity List», die den Handel mit US-Firmen stark einschränken würde, ist eine ständige Gefahr. Mit den Einnahmen aus dem Börsengang will CXMT nun seine Produktionskapazitäten ausbauen und die Forschung vorantreiben, um den technologischen Abstand zu den Konkurrenten zu verringern.
(Reuters)

