Die Nahrungsmittelpreise könnten durch den Konflikt zwischen Israel und den USA auf der einen Seite und dem Iran auf der anderen weltweit steigen. Grund ist ein Anstieg der Düngemittelpreise. Nachfolgend die wichtigsten Fragen und Antworten:
Warum gefährdet der Krieg die weltweite Ernährung?
Der Konflikt unterbricht die Lieferketten für Düngemittel genau zu Beginn der wichtigen Aussaat auf der Nordhalbkugel. Die Herstellung von Dünger ist extrem energieintensiv und basiert auf Erdgas. Ein Grossteil der Weltproduktion findet daher im Nahen Osten statt. Angriffe auf Energieanlagen in der Golfregion haben dort nicht nur die Öl- und Gasförderung, sondern auch die Düngemittelproduktion weitgehend zum Erliegen gebracht.
Welche Rolle spielt die Strasse von Hormus?
Die Strasse von Hormus ist eine Meerenge an der Küste des Iran und ein Nadelöhr für den Welthandel. Ein Drittel des globalen Handels mit Düngemitteln läuft über diese Route. Da die Meerenge seit Beginn des Konflikts für die Schifffahrt faktisch blockiert ist, kommen Lieferungen nicht mehr an ihrem Ziel an. Dies betrifft sowohl fertige Düngemittel als auch das für deren Produktion benötigte Flüssigerdgas und Vorprodukte wie Ammoniak, oder Schwefel.
Warum sind Düngemittel so entscheidend?
Dem Analysehaus Argus zufolge wird etwa die Hälfte der weltweiten Nahrungsmittel mit Düngemitteln angebaut. Besonders kritisch sind kurzfristig stickstoffbasierte Produkte wie Harnstoff. Bleibt hier der Einsatz für eine Saison aus, sind Ernteeinbussen sehr wahrscheinlich. Der Weltmarkt für Harnstoff war bereits vor dem Krieg angespannt, da Europa seine Produktion nach dem Wegfall von billigem russischem Gas drosseln musste und China seine Exporte zur Sicherung der Eigenversorgung beschränkt.
Wo sind die Auswirkungen bereits spürbar?
Die Produktionsstopps haben globale Folgen. Qatar Energy hat die Erzeugung in der weltgrössten Harnstoffanlage eingestellt. In Indien, einem der wichtigsten Abnehmer, mussten mehrere Anlagen ihre Produktion drosseln. Bangladesch hat vier seiner fünf Düngemittelfabriken geschlossen. Brasilien, das fast seinen gesamten Harnstoffbedarf importiert, bezieht knapp die Hälfte davon über die Strasse von Hormus. Selbst in den USA berichten Landwirte von leeren Regalen: Dort fehlen etwa 25 Prozent der für diese Jahreszeit üblichen Lieferungen.
Wie wirkt sich der Konflikt auf die Preise aus?
Die sind bereits stark gestiegen. Die Exportpreise für Harnstoff im Nahen Osten sind seit Kriegsbeginn um rund 40 Prozent auf gut 700 Dollar je Tonne nach oben geschossen. In den USA zogen die Preise um bis zu 32 Prozent an. Analysten warnen, dass sich die Preise für stickstoffbasierte Düngemittel bei einem andauernden Krieg etwa verdoppeln könnten. Ein schneller Ausgleich der Lieferausfälle ist kaum möglich, da Russland als weltgrösster Exporteur selbst mit Produktionsstörungen zu kämpfen hat. China wiederum hält seine Kapazitäten bewusst vom Weltmarkt zurück.
(Reuters)

