Die Valoren von Interroll ziehen am Montag um 6,0 Prozent auf 1380 Franken an, während der Gesamtmarkt gemessen am Swiss Performance Index (SPI) um 0,62 Prozent anzieht. In den vergangenen drei Jahren verloren die Interroll-Titel rund 50 Prozent an Wert. 

Gemäss der Investmentbank Oddo BHF soll das Schlimmste nun vorüber sein. Der zuständige Analyst senkt das Kursziel von Interroll auf 1950 von 2100 Franken, erhöht aber das Rating auf «Outperform» von «Neutral». Die Aktie sei seines Erachtens zu günstig, um nach dem Rückschlag in diesem Jahr und angesichts eines Abschlags von 52 Prozent gegenüber der historischen Bewertung ignoriert zu werden, so die Begründung zur Hochstufung.

Der Oddo-Experte spricht trotz der Hochstufung auch Probleme an. Ihm zufolge leidet der Aktienkurs von Interroll nicht nur unter dem unruhigen Marktumfeld, sondern auch unter internen Herausforderungen. Obwohl das Unternehmen ein solides organisches Wachstum von 9,2 Prozent beim Auftragseingang verzeichnete, drücken vorwiegend personelle Wechsel im Management, ein vager Ausblick für das Jahr 2026 sowie negative Währungseffekte durch den starken Schweizer Franken auf den Aktienkurs.

Grosse Herausforderungen bleiben

Die letzten Jahre waren beim Fördertechnikspezialisten alles andere als einfach: Umsatzrückgang, Margenschwund, mehr Konkurrenz aus China und Restrukturierungen sind die Stichworte. Mit Thorsten Sauter von Kepler Cheuvreux setzte vor Monatsfrist ein Analyst den dicken Rotstift an und reduzierte das Kursziel auf 1400 von 2400 Franken . Im Gegensatz zum Experten von Oddo BHF ging Sauter beim Rating auf «Reduce» von «Hold».

Das Unternehmen sei nach einer längeren Durststrecke zwar wieder auf Wachstumskurs, doch der Experte von Kepler Cheuvreux warnt vor neuem Gegenwind. Die Währungsschwankungen und die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten könnten die aktuelle Erholung dämpfen. Positiv hebt Sauter von Kepler Cheuvreux die Strategie gegen die chinesische Konkurrenz hervor, auch wenn sich deren Erfolg erst langfristig auszahlen dürfte. Kurzfristig drohe jedoch Druck auf die Profitabilität, da höhere Budgets für Marketing und Forschung sowie die Übernahme von Royal Apollo die Margen vorerst belasten dürften. 

Gemäss AWP-Analyser liegen vier Ratings «Kaufen» und vier «Halten» vor. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 2132 Franken und somit deutlich über den aktuell bezahlten Preisen. 

Entsprechend ist zu wiederholen, dass Anlegerinnen und Anleger nicht blindlings zugreifen sollten, weil hohe Kursziele locken. Ein Turnaround ist ein steiniger Weg, und gerade an Interroll zeigt sich beispielhaft, wie lange das dauern kann. 

Ein weiterer gewichtiger Faktor ist die Corona-Krise, welche bei dem auf E-Commerce-Firmen spezialisierten Unternehmen 2020 bis 2022 einen regelrechten Run auf Automatisierungsanlagen auslöste. Das verzerrte das Bild, der Geschäftsgang litt 2023 bis 2025 entsprechend unter einer schwachen Nachfrage. Das ist nun alles eingepreist. Wer den Titel im Depot hat, darf diesen getrost dort liegen lassen.

Thomas Daniel Marti
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