Einen Kursverlust im zweistelligen Prozentbereich innert zweier Tage. Das gibt es nicht oft bei einem Titel des Swiss Market Index (SMI). Einer der seltenen Fälle ist Alcon: Nach den Erstquartalszahlen, die am Dienstagabend nach Schweizer Börsenschluss veröffentlicht wurden, sind die Aktien des Augenheilspezialisten um über 11 Prozent auf 51 Franken gefallen. Das ist der niedrigste Stand seit Sommer 2020 - ein 6-Jahres-Tief also.
Die heftige Kursreaktion ist nicht so einfach erklärbar. Auch die Telefonkonferenz zum Quartalsergebnis habe «keine schlüssige Erklärung für den 11-prozentige Kurstaucher» gegeben, notierte Daniel Jelovcan, zuständiger Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB) am Donnerstag. In der Tat: Die Aufschlüsselung der ZKB vom Mittwoch erwies die Alcon-Zahlen als durchaus positiv. Umsatz und operativer Gewinn lagen in den ZKB-Prognosen, während der Reingewinn, vor allem wegen höherer Steuern, darunter lag. Der Ausblick 2026 wurde teils bestätigt, teils sogar angehoben. Zudem kündigte das Management Aktienrückkäufe an.
«Alcon überzeugte jetzt zum zweiten Mal nach dem bereits guten Wachstum im vierten Quartal 2025», so ZKB-Experte Jelovcan, der ausführt, dass die Schärfe der Marktreaktion fundamental nicht nachvollziehbar erscheine.
Düsterer fielen die Kommentare an der Wall Street aus, wo Alcon ebenfalls kotiert ist. «Disappointing» - «enttäuschend»: Dieses Wort fiel mehrfach. Mit ihm bezeichnete die zuständige Expertin von Citi die Ergebnisse des ersten Quartals, wobei die Zahlen eher durch gestörte Endmärkte als durch mangelnde Produktakzeptanz oder eine schwache Umsetzung vonseiten des Unternehmens verursacht worden seien.
Auch «enttäuschend» sei die Entwicklung des Segments der implantierbaren Produkte (Implantables) ausgefallen, schrieb die Analystin von Bernstein in ihrer Notiz. Das Wettbewerbsumfeld in den USA werde «im Laufe des Jahres härter werden», ergänzte sie.
Das Umsatzwachstum sei «enttäuschend» gewesen, vermerkten wiederum die Analysten der US-Investmentbank Stifel. Insofern sahen sie sich darin bestätigt, Alcon im Januar auf «Hold» von «Buy» herabgestuft zu haben. Das durch Stifel neu vergebene Rating ist allerdings nur eines von vier «Hold»-Ratings zu Alcon. Die grosse Mehrheit der von Bloomberg erfassten Experten - 27 von 32 Analysten - empfehlen «Buy». Der Konsens, der Citi, Bernstein und Stifel einschliesst, traut der Aktie mittelfristig 74 Franken zu. Das sind gut 45 Prozent mehr als der momentane Kurs.
Und ZKB-Experte Daniel Jelovcan sagt: «Wir sehen den Kursrückgang einmal mehr als Einstiegschance und bestätigen unseren Fair Value von 85 Franken.»

