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Was eine Aktie zur Wachstumsaktie macht

Bei der Bank Mirabaud schauen die Aktienspezialisten auf Wachstumstitel und Fundamentaldaten. Portfoliomanager Paul Schibli sagt im Börsen-Talk, welche Titel er bevorzugt - auch gegen den Trend.
12.11.2015 01:05
Von Marc Forster
Paul Schibli, Mirabaud Asset Management.
Bild: cash

Unterdurchschnittliches Wachstum ist einer der prägenden Elemente des Gesamt-Aktienmarktes, sagt Paul Schibli, Senior Portfolio Manager bei Mirabaud Asset Management, im cash-Börsen-Talk. Der Spezialist für Schweizer Aktien interessiert sich daher vor allem für Titel, die ihrerseits noch Wachstum versprechen.

Eckpunkte dieser Betrachtungen sind die Marktpositionierung eines Unternehmens, die Wettbewerbsfähigkeit sowie, angesichts deflationärer Tendenzen, die Preissetzungsmacht. Dabei müssen natürlich auch die Kennzahlen stimmen: Ohne Fundamentaldaten komme man bei Investments nicht aus, sagt der Anlageprofi: "Ich habe noch keinen Charttechniker gesehen, der mit 40 Jahren in die Pension gegangen ist."

Profitabilität über den gesamten Zyklus ist für Schibli ebenfalls ein entscheidender Faktor für eine Wachstumsaktie. Aus der Welt der grosskapitalisierten Werte ist aus Mirabaud-Sicht Nestlé interessant: "Diese Aktie schlägt über einen längeren Zeitraum den Markt." Das Draw-Down-Risiko, also die Wahrscheinlichkeit eines deutlichen Wertverlust in einer schlechten Handelsphase, sei relativ gering.

«Bewertungen nicht unbedingt matchentscheidend»

Nach Branchen sortiert sind es vor allem Konsumgüter- und Konsumservice-Unternehmen, die für Mirabaud Asset Management für ein Portfolio interessant sind. Daneben nennt Schibli auch den Sektor der Pharma- und Medizinalindustrie sowie Technologie-Firmen, die nahe an den Megatrends angesiedelt sind.

Erhöhte Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) schrecken Schibli nicht ab: "Die Bewertung insgesamt ist eigentlich nicht einmal matchentscheidend", sagt er. Er betrachte die Price-Earings-Ratios sowohl absolut als auch relativ, und: "Sehr wichtig ist innerhalb der Bewertung die Kennzahl des frei verfügbaren Cash-Flows."

Eine sehr hoch bewertete Firma ist beispielsweise Lindt&Sprüngli mit einem KVG von 45, oder auch Sonova, wo das KVG mit 23 ebenfalls relativ angehoben ist. Gerade diese Aktien findet Schibli aber interessant: "Ich glaube, dass die Wachstumschancen besser sind, als das von Investoren angenommen wird."

Vorsicht bei Finanztiteln

Für Schibli ist der globale Asset Manager Partners Group ein interessanter Titel: "Im Bereich von Private Equity kann Partners Group ansprechend profitabel wachsen." Die Banken und der Finanzindustrie allgemein lässt er hingegen Vorsicht walten: "Wir sind nach wie vor investiert, aber mit untergewichteter Positionierung."

Das Umfeld für die Branche sei noch nicht gut. Neben den regulatorischen Belastungen sieht Schibli die Banken vor allem wegen er tiefen Zinsen unter Druck. Die Industrie, die Zulieferer und die deutlich rohstoffabhängigen Unternehmen sieht der Portfolio-Manager generell auf schwachen Beinen.

Diese Faktoren sprächen eigentlich genau gegen eine Aktie wie Burckhardt Compression. Doch bei der Aktie des Winterthurer Kompressoren-Herstellers positioniert sich Mirabaud gegen den Markt. Die Firmenstategie mache Burckhardt interessant, sagt Schibli: "Das Unternehmen verschiebt die Tätigkeit langsam ins Servicegeschäft." Dieser hochmargigen Unternehmenszweig dürfte das Wachstum verstärken, wobei Schibli auch davon ausgeht, dass Burckhardt im nächsten Jahr mit dem klassischen Ausrüstungsgeschäft wieder mehr punkten wird können.

Im cash-Börsen-Talk erklärt Paul Schibli auch, weswegen Wachstums-Aktien gute Contrarian-Indikatoren sind, und wagt einen Ausblick auf die Aktienmärkte bis Ende Jahr.