Wegen «Battery-Gate» - Verkauft Apple bis zu 16 Millionen weniger neue iPhones?

Apple begegnet Vorwürfen rund um die Leistungsdrosselung bei älteren iPhones mit Vergünstigungen bei einem Batterie-Austausch. Dieses Zugeständnis hat Folgen für Apple und ihre Zulieferer wie AMS.
04.01.2018 08:37
Von Lorenz Burkhalter
Der drastisch günstigere Akku-Ersatz könnte bei Apple auch auf den Absatz des neuen iPhone X drücken.
Der drastisch günstigere Akku-Ersatz könnte bei Apple auch auf den Absatz des neuen iPhone X drücken.
Bild: Bloomberg

2017 endete für Apple mit einem PR-Debakel: Messwerte hatten gezeigt, dass bei iPhones mit altem Akku die Spitzenleistung des Prozessors gedrosselt war, während sie nach einem Batterie-Austausch auf normales Niveau zurückkehrte. Apple führte diese Verlangsamung durch die regelmässigen Softwareupdates der iPhones offenbar absichtlich herbei, damit Kunden möglichst viele neue Geräte kaufen (cash berichtete).

Apple musste auf das sogenannte "Battery-Gate" reagieren und kündigte eine drastische Kostensenkung für einen Batterie-Austausch ausserhalb der Garantiezeit beim iPhone 6 und späteren Modellen an. Für die Zeit bis Ende 2018 soll in den USA ein Austausch 29 anstatt der gewohnten 79 Dollar kosten. Die Bedingungen in der Schweiz sind noch nicht bekannt.

Sind selbst vorsichtige Prognosen noch zu optimistisch?

Dieses Zugeständnis könnte die Nachfrage nach neueren iPhone-Modellen nun schmälern. Der für die britische Grossbank Barclays tätige Technologieanalyst warnt davor, dass Apple von Januar bis Dezember dieses Jahres bis zu 16 Millionen Geräte weniger absetzen wird. Der Grund: Besitzer älterer Geräte dürften vom vergünstigten Batteriewechsel Gebrauch machen und mit dem Kauf eines neuen iPhones zuwarten.

Die Suchabfrage "iPhone Slowdown" schiesst bei Google Trends kräftig nach oben (Quelle: Google Trends, Barclays Research)

Schon heute liegen die Absatzprognosen des Barclays-Analysten unter den Schätzungen seiner Berufskollegen. Für das Dezember-Quartal rechnet er mit 77 Millionen abgesetzten iPhones (Konsens: 79 Millionen Geräte), im laufenden Quartal sogar nur mit 56 Millionen (Konsens: 62 Millionen). Doch selbst diese Zahlen erachtet der Analyst aufgrund der neusten Faktenlage als zu hoch.

Dabei stützt er sich auf Erhebungen des Beratungsunternehmens Mixpanel ab, wonach Ende Dezember weltweit 675 Millionen iPhones in Betrieb waren. Davon kommen 519 Millionen Geräte für einen vergünstigten Batterie-Austausch in Frage. Mit anderen Worten: Selbst wenn sich nur ein Teil dieser Nutzer für einen Akku-Ersatz entscheiden, hat das Folgen für den Absatz neuer Geräte.

Es laufen bereits mehr als 16 Klagen gegen Apple

Das beträfe dann nicht nur Apple selber, sondern auch Zulieferunternehmen wie den an der Schweizer Börse SIX kotierten Sensorenhersteller AMS. Mit einer Performance von 206 Prozent führte die AMS-Aktie im 2017 die SIX-Gewinnerliste mit einem deutlichen Vorsprung auf die zweitplatzierte Meyer-Burger-Aktie an. Während die Aktie von AMS bereits 15 Prozent von den Höchstkursen bei 111,40 Franken zurückgefallen ist, trennen die Apple-Aktie weniger als 3 Prozent vom Rekordhoch bei 177,20 Dollar.

Das überrascht, könnte das "Battery-Gate" für Apple - anders als für die Zulieferer - zudem ein rechtliches Nachspiel haben. Denn wie der Barclays-Analyst in seinem Kommentar schreibt, wurden noch im alten Jahr mehr als 16 Klagen gegen Apple eingereicht. Dabei wird ihm vorgeworfen, die Konsumenten nicht darüber informiert zu haben, dass mit der Aktualisierung der Betriebssoftware bei älteren Geräten die Prozessorenleistung gedrosselt wird.

 

Investment-Ideen von Julius Bär