Der Schweizer Bauchemiekonzern Sika spürt die Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten und nimmt seine Erwartungen leicht zurück. Angesichts der Unsicherheit gehe Sika nun davon aus, dass Umsatz und Ergebnis 2026 in der Mitte oder im unteren Bereich des Prognosebandes liegen dürften, sagte Konzernchef Thomas Hasler in einem am Dienstag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters.
Im Februar hatte der Konzern noch damit gerechnet, die Mitte oder die obere Hälfte der Vorgabe zu erreichen oder diese sogar zu übertreffen. Damals hatte Sika für das laufende Jahr ein Umsatzwachstum in Lokalwährungen von einem bis vier Prozent sowie eine operative Ergebnisspanne (Ebitda) von 19,5 bis 20,0 Prozent in Aussicht gestellt.
«Ich bin zuversichtlich, dass wir mit unserer Prognose für 2026 bezüglich Umsatz und Ergebnis immer noch auf der sicheren Seite sind», erklärte Hasler. Der Konzern hält am Dienstagnachmittag seine jährliche Aktionärsversammlung ab.
Sika reagiere mit Preiserhöhungen auf die gestiegenen Transport- und Rohstoffkosten. Im Nahen Osten, der etwa vier Prozent zum Konzernumsatz beisteuert, hat Sika die Preise Hasler zufolge bereits um zehn bis 20 Prozent erhöht. Weltweit lägen die Preisaufschläge bei knapp fünf Prozent. «Weitere Preiserhöhungen sind möglich», erklärte er. Rund zehn Prozent der Rohstoffkosten hingen vom Rohölpreis ab.
Das Unternehmen kam 2025 bei einem Umsatz von 11,2 Milliarden Franken auf eine Ebitda-Marge von 18,4 Prozent. Sorgen um Auswirkungen steigender Energiepreise und einer möglichen Konjunkturflaute hatten die Sika-Aktien zuletzt unter Druck gesetzt. Seit dem Kriegsbeginn haben die Titel rund 19 Prozent an Wert verloren, beim Index der europäischen Bauaktien belief sich das Minus auf 13 Prozent.
Nachfrage hält an
Sika sehe keine Notwendigkeit für eine Ausweitung des laufenden Kostensenkungsprogramms, mit dem der Konzern bis 2028 150 bis 200 Millionen Franken einsparen will, erklärte Hasler. Bei Bedarf könne das Unternehmen zwar weitergehen. Gegenwärtig gehe Sika aber davon aus, die vorgesehenen Volumina im laufenden Jahr auch auszuliefern. «Es gibt keine Pläne, Stellen abzubauen oder Werke zu schliessen, da kein Nachfragerückgang vorliegt, der dies rechtfertigen würde.»
Bisher gebe es keine Signale von Kunden, Projekte zu stornieren, erklärte Hasler. «Die Bauarbeiten gehen weiter, auch im Nahen Osten.» Sollte der Konflikt länger dauern, könnte sich das allerdings ändern. «Die Inflation ist das Hauptproblem.» Sollte es zu einer allgemeinen Inflation wie im Jahr 2022 kommen, werde sich dies negativ auf die Volumen auswirken. Zudem könnte die Bauwirtschaft darunter leiden, dass die Zinssätze nicht sänken.
Nachdem das Geschäft mit Wohnimmobilien in China zwischen 2023 und 2025 um 45 Prozent eingebrochen war, rechnet Sika vorerst nicht mit einer Erholung dort. «China wird in der ersten Jahreshälfte schwächeln und dann in der zweiten Jahreshälfte die Talsohle erreichen», so Hasler. Dagegen profitierte auch Sika von einem Boom bei Rechenzentren. Der Konzern sei aktuell an rund 400 solcher Projekte beteiligt. «Der Bereich Rechenzentren machte im vergangenen Jahr vier Prozent unseres Umsatzes aus, und wir beobachten in diesem Jahr eine Zunahme der Aktivitäten, sodass dieser Anteil in diesem Jahr auf fünf Prozent steigen könnte.» Er rechne damit, dass der Boom noch mindestens zwei Jahre anhalte.
(Reuters)

