Das Parlament werde das Thema nicht mehr vor der Sommerpause angehen, berichteten ungarische Online-Medien am Mittwoch. Eine Abstimmung darüber sei nicht auf die Tagesordnung der Sitzung in der nächsten Woche gesetzt worden. Die Nachrichtenseiten hvg.hu und index.hu berichteten, das von der nationalistischen Fidesz-Partei von Ministerpräsident Viktor Orban dominierte Parlament werde das Votum weiter verschieben.

Orban ist auf Schweden und auch auf Finnland nicht gut zu sprechen. Unter anderem hat er beide Länder beschuldigt, Lügen über den Zustand von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Ungarn zu verbreiten. Die Bewerbung Finnlands zur Nato hatte das ungarische Parlament im März aber gebilligt, während der Widerstand gegen Schweden andauert.

Auch die Türkei stellt sich derzeit gegen Schweden in der Nato. Präsident Recep Tayyip Erdogan macht seine Zustimmung von Zugeständnissen abhängig, unter anderem einem schärferen schwedischen Vorgehen gegen Personen, die die Türkei als Terroristen bezeichnet. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern wurden am Mittwoch neuerlich belastet, nachdem ein Mann vor der Stockholmer Zentralmoschee bei einem genehmigten Protest einen Koran verbrannte. Der türkische Aussenminister Hakan Fidan verurteilte dies und erklärte, es sei inakzeptabel, im Namen der Meinungsfreiheit Anti-Islam-Proteste zuzulassen.

Ein Sprecher des US-Aussenministeriums in Washington bezeichnete die Verbrennung am Abend als respektlos. Gleichwohl erklärte er, die USA würden Ungarn und die Türkei weiter ermutigen, dem Nato-Beitritt Schwedens zuzustimmen.

Schweden war ebenso wie Finnland über lange Zeit militärisch neutral. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine änderte sich das aber und beide Länder beantragten eine Nato-Mitgliedschaft.

(Reuters)