Die Namenaktie des Schokoladenherstellers Lindt & Sprüngli steigt am Freitagvormittag um 0,21 Prozent auf 93'800 Franken; der Partizipationsschein klettert um 0,50 Prozent auf 9'130 Franken. Die Kursbewegungen folgen dem leicht freundlichen Gesamtmarkt, der gemessen am Swiss Performance Index (SPI) 0,11 Prozent gewinnt.

Die aktuellen Avancen der Lindt-Anteilsscheine gleichen einer zaghaften Stabilisierung, die auf eine Ende Februar eingesetzte Kursflaute folgt. Damals war die Namenaktie 128'600 Franken wert; für den Partizipationsschein bezahlte man 12'880 Franken. 

Gemäss den Analysten der Citigroup zeichnet sich nun aber weiterer Gegenwind ab. Sie sagen, dass die New Yorker Kakao-Futures innerhalb von drei Monaten auf 5000 US-Dollar pro Tonne und innerhalb von zwölf Monaten auf 6000 US-Dollar steigen, sobald sich das Wetterphänomen El Niño bemerkbar macht. Zurzeit kostet die Tonne Kakao rund 4250 Dollar.

«In dem fragilen Markt, den wir derzeit prognostizieren, könnte eine Wetterkatastrophe die Preise erheblich beeinflussen», sagen die Rohstoffspezialisten der US-Investmentbank. In Westafrika sei zudem der Kakaofruchtansatz bei der Hauptkultur «äusserst schwach», was erhebliche Auswirkungen auf das Kakaoangebot haben könnte.

Lindt & Sprüngli kann höhere Kakaopreise durch Effizienzsteigerungen, Kostenkontrolle und Preiserhöhungen abfangen. So war es im Geschäftsjahr 2025. Das organische Wachstum betrug 12,4 Prozent und wurde durch gruppenweite Preiserhöhungen von 19,0 Prozent getrieben, wie das Management im März mitteilte. 

Fraglich ist jedoch, ob höhere Preise für Schokolade im momentanen wirtschaftlichen Umfeld von den Konsumenten akzeptiert werden, zumal die Teuerung in wichtigen Volkswirtschaften wie den USA oder der Eurozone aufgrund des Konflikts im Nahen Osten abermals angezogen hat.

Eine aktuelle - und positive - Antwort gibt der zuständige Analyst von Julius Bär. Zwar hätten die kräftigen Preiserhöhungen im vergangenen Jahr die Absatzvolumen von Lindt insbesondere im deutschsprachigen Europa belastet. Insgesamt dürfte das organische Wachstum im ersten Halbjahr aber positiv bleiben und sich im zweiten Halbjahr wieder beschleunigen. Entlastend wirkt dabei, dass die Kakaopreise trotz eines absehbaren Anstiegs nicht mehr auf die Hochstände von 2024 und 2025 zurückkehren dürften.

Der Experte von Julius Bär hält denn auch an seiner Einschätzung fest: Das «Buy»-Rating für Lindt & Sprüngli bleibt. Das Kursziel für die Namenaktie sinkt von 145'000 auf 125'000 Franken. Aus diesem neuen Preisziel errechnet sich ein Gewinnpotenzial von noch immer 33 Prozent, was auch Anleger wieder zuversichtlicher stimmen kann.

Reto Zanettin
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