Die Aktien von Siegfried verlieren am Mittwoch um 3,7 Prozent auf 72.30 Franken und geben damit mehr als ein Drittel der Kursgewinne der letzten zwei Wochen wieder her. Seit Jahresbeginn hat der Titel 1,1 Prozent zugelegt, steht aber immer noch 28 Prozent unter dem vor gut zwei Jahren erreichten Allzeithoch und 10,1 Prozent über dem Zwischentief vom Anfang Oktober. 

Allerdings tut sich nicht nur der Pharmazulieferer Siegfried schwer in den vergangenen drei Jahren. Neben Lonza befindet sich Dottikon in einer Konsolidierungsphase. Dies hängt damit zusammen, dass alle drei Firmen derzeit hauptsächlich auf den Ausbau der Kapazitäten fokussiert sind. Negativ hallt auch die Covid-Krise nach, als die Umsätze durch die Decke gingen, ehe es in den letzten vier Jahren zu einer Normalisierung kam. 

An optimistischen Kurszielen mangelt es nicht. Neun Experten stufen den Titel mit «Kaufen» ein, vier mit «Halten» bei einem durchschnittlichen Kursziel von 102 Franken. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von 36 Prozent. Das höchste Kursziel liegt gar bei 140 Franken, was fast einer Kursverdoppelung entspricht. 

Auslöser für den Kursrückgang war der Analyst der UBS, welcher das Kursziel am Donnerstag auf 76 von 80 Franken gesenkt hatte. Ein langsamerer Hochlauf neuer Kapazitäten verschiebe die erwartete Wachstumsbeschleunigung des Pharmazulieferers nach hinten, wie Analystin Tanya Hansalik in einer Kundennotiz am Mittwoch schrieb.

Konkret erwartet die Expertin für das Jahr 2027 nur noch ein organisches Umsatzplus von 3,7 Prozent, bevor das Wachstum ab 2028 wieder auf rund 6 Prozent anziehen dürfte. Vor diesem Hintergrund wurden auch die Gewinnschätzungen je Aktie für die Jahre 2026 bis 2028 um 3 bis 9 Prozent nach unten korrigiert. Obwohl Siegfried im Markt für Pharmaproduktion langfristig weiterhin gut positioniert bleibe, hält die UBS den aktuellen Bewertungsabschlag zum historischen Durchschnitt aufgrund der vorerst verhaltenen Wachstumsdynamik für gerechtfertigt.

Damit bestätigt sich, wie schwierig es für ein Unternehmen ist, wieder in die Wachstumsspur zurückzufinden. Denn an den Kennzahlen liegt es nicht. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt mit 17x unter dem langjährigen Durchschnitt, die Verschuldung befindet sich auf tiefem Niveau und der Ertrag auf dem Eigenkapital (ROE) liegt bei 17 Prozent im langjährigen Durchschnitt. 

Gegenwind erhält die Aktie von der allgemein negativen Stimmung für den Sektor und zyklische Aktien im Allgemeinen. Obwohl die Pharmawerte top sind und mittlerweile in den USA zu einem Aufschlag gegenüber dem Gesamtmarkt von 20 Prozent gehandelt werden, bleiben die Titel der Pharmazulieferer und Medizintechnik hinter den Erwartungen zurück. Erst eine neuerliche Sektorration dürfte dem Bereich wieder Auftrieb verleihen. 

Für Investierende mit einem Zeithorizont von fünf bis zehn Jahren ist die Aktie allemal eine Überlegung wert. Der Wachstumstrend ist nicht gebrochen, aber durch Sondereffekte wie den Covid‑Boom beeinträchtigt. Ferner gilt es zudem zu erwähnen, dass Siegfried die Dividende in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt hatte. Die Ausschüttungsquote liegt gemäss Daten von Bloomberg bei 12 Prozent, was in der Zukunft weiter viel Spielraum nach oben offen lässt. 

Thomas Daniel Marti
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