Wie aus Unterlagen des US-Justizministeriums hervorgeht, in die die Nachrichtenagentur Reuters Einblick ‌hatte, wickelte ⁠die UBS im November 2019 eine Überweisung für die frühere Vertraute des US-Multimillionärs Jeffrey Epstein ab. Brisant daran: Bereits drei Monate zuvor hatte die ⁠US-Justiz die UBS aufgefordert, im Rahmen einer Untersuchung wegen Kinderhandels Informationen über Maxwells Finanzen offenzulegen. Die Dokumente unterstreichen die zentrale Rolle der UBS bei der Verwaltung der Finanzen ‌von Epsteins wichtigster Komplizin.

Konkret transferierte die UBS am 12. November 2019 knapp acht Millionen Dollar von ‌einem Konto des von Maxwell eingerichteten Montpelier Trust. Ein Teil des Geldes ​floss über mehrere Stationen in den Barkauf eines 1,1 Millionen Dollar teuren Anwesens im Bundesstaat New Hampshire im Dezember. Zwar hatte die Bank Maxwell im August per E-Mail mitgeteilt, die Geschäftsbeziehung innerhalb eines Monats ohne Angabe von Gründen zu beenden. Dennoch wurde die spätere Überweisung abgewickelt.

Die UBS lehnte eine Stellungnahme ab und verwies darauf, sich nicht zu Kundenangelegenheiten zu äussern. Der Finanzkriminalitätsexperte Tom Kirchmaier von der London School of Economics erklärte, die ‌Akten zeigten, wie Banken bei reichen Kunden Warnsignale ignorierten. «Banken, die von einer geheimen strafrechtlichen Untersuchung erfahren, tun in der Regel alles, um öffentlich zugängliche Informationen zu finden, die es rechtfertigen, das Geld des Verdächtigen zurückzuhalten», sagte er.

Maxwell nutzte das Anwesen mit dem Namen «Tucked Away» («Versteckt») in der Kleinstadt Bradford ​als letzten Wohnsitz vor ihrer Verhaftung im Juli 2020. Um das Haus zu erwerben, trat sie unter dem ​falschen Namen Janet Marshall auf und gab sich als Journalistin aus, die Privatsphäre suche, ​wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht. Bei ihrer Festnahme entdeckten FBI-Agenten ein in Aluminiumfolie eingewickeltes Mobiltelefon, das eine Ortung verhindern sollte.

Banken sind in den USA verpflichtet, verdächtige Transaktionen innerhalb von 30 ‌Tagen an das US-Finanzministerium zu melden. Es ist unklar, welche Bank die Aufsichtsbehörden auf die Unregelmässigkeit des Hauskaufs aufmerksam machte. Aus den Dokumenten geht hervor, dass die UBS nach Maxwells Verhaftung Verdachtsmeldungen für Überweisungen im Wert von mehr als 18 Millionen Dollar einreichte.

US-Senator Ron Wyden, der die Finanzströme in ​dem Fall untersucht ​hat, kritisierte das Vorgehen. «Das Muster, das wir bei unseren Ermittlungen zu ⁠Epstein und vielen anderen wohlhabenden Kriminellen gesehen haben, ist, dass die Banken wegsehen, weil sie ​wissen, dass extrem reiche Kunden ⁠jederzeit ihre Koffer packen und ihr Geld zur Konkurrenz auf der anderen Strassenseite bringen können», sagte er. Maxwell sei ein wesentlicher Bestandteil von Epsteins ‌weltweitem Menschenhandelsring gewesen.

Maxwell wurde 2021 zu 20 Jahren Haft verurteilt, weil sie minderjährige Mädchen für Epstein rekrutiert und missbraucht hatte. Epstein selbst war im August 2019 im Gefängnis gestorben, während er auf seinen Prozess wartete. Die Dokumente zeigen zudem, dass auch ‌andere Finanzinstitute lange an den lukrativen Kunden festhielten, nachdem er 2008 wegen Sexualdelikten verurteilt worden war. So war ​die britische Bank Barclays ab 2017 das einzige Geldhaus ausserhalb der USA, bei dem Maxwell Gelder hielt. Auch die Deutsche Bank und Morgan Stanley hatten früheren Reuters-Berichten zufolge noch bis ins Jahr 2019 Konten für Epstein oder mit ihm verbundene Stiftungen geführt. 

(Reuters)