Die Analysten des US-Brokers Jefferies haben den Ruf, dass sie Kursziele für Aktien verteilen, die deutlich von den aktuellen Notierungen abweichen. Und meistens werden die Kursziele nach oben angepasst. So auch bei der UBS: Der für die Schweizer Bank zuständige Analyst bei Jefferies erhöhte am Montag seine Schätzungen für die Aktie UBS auf 55 von zuvor 37 Franken und beliess die Anlageempfehlung für den Titel bei «Buy».
Es ist aktuell das mit Abstand höchste Kursziel, welches von einem Analysten für die UBS-Aktie ausgerufen wurde. Die Aktie steht derzeit mit rund 37,50 Franken auf dem höchsten Stand seit dem Jahr 2008. Das durchschnittliche Kursziel der UBS-Aktie liegt bei den bei Bloomberg erfassten Analysten bei 37 Franken, was dem derzeitigen Kurs entspricht. Dem Jefferies-Analysten zufolge hat die UBS-Aktie den nächsten zwölf Monaten demnach ein Aufwärtspotenzial über 40 Prozent.
Dank der sinkenden Integrationskosten in Sachen Credit Suisse dürfte der Gewinn je UBS-Aktie bis 2028 um 30 Prozent steigen, heisst es bei Jefferires. Der Experte blickt zudem optimistisch auf die Jahreszahlen der UBS, die am 4. Februar veröffentlicht werden. Im Investmentbanking dürfte die Grossbank im vierten Quartal besser abgeschnitten haben als viele Konkurrenten, und das Momentum in der Vermögensverwaltung sei vor allem in Asien stark.
Einen Vorgeschmack für die UBS-Jahresresultate lieferten die US-Grossbanken, die ihren Leistungsausweis für 2025 bereits veröffentlichten. Insbesondere Goldman Sachs und Morgan Stanley konnten mit den Jahreszahlen überzeugen, letztere wird oft mit der UBS verglichen. Die Banken profitierten vom wachsenden Investmentbanking und florierenden Handelsgeschäften. Kein Wunder: Das letzte Jahr war für viele Finanzinstitute wegen des volatilen Umfelds das beste seit 2021.
Auch die vom Bundesrat vorgeschlagenen Kapitalmassnahmen für die UBS sieht der Analyst von Jefferies entspannt. Pro memoria: Der Bundesrat will, dass die UBS als international tätige systemrelevante Bank ihre ausländischen Tochtergesellschaften künftig vollständig mit Eigenmitteln unterlegt. Die Auswirkungen der möglichen Kapitalmassnahmen auf die harte Kernkapitalquote der UBS schätzt der Jefferies-Analyst als «beherrschbar» ein.
Reaktion der UBS-Aktie auf das hohe Kursziel von Jefferies sehr überschaubar
Die UBS-Aktie fuhr im letzten Jahr wegen der möglichen Kapitalmassnahmen und zum Ärger von Konzernchef Sergio Ermotti lange auf der Kriechspur, ehe ein Kompromissvorschlag bürgerlicher Parlamentarier in der Kapitalfrage Anfang Dezember der Aktie zum Ausbruch verhalf. Die UBS-Aktie legte allein im letzten Monat 22 Prozent zu. Angesichts der bürgerlichen Mehrheit im Parlament hat ein wie auch immer gearteter Kompromissvorschlag natürlich gute Chancen, durch zukommen. Der frühestmögliche Zeitpunkt für eine Behandlung des Dossiers im Parlament wäre die Herbstsession 2026, allerdings könnte die parlamentarische Beratung auch 2027 oder gar erst 2028 erfolgen.
Die Reaktion der UBS-Aktie auf das hohe Kursziel von Jefferies blieb bislang aber sehr überschaubar - ein Hinweis darauf, dass der Gesamtmarkt den Titel für den Moment als ausgereizt ansieht. Es gibt durchaus Experten, welche die UBS-Aktie in nicht derart blumigen Farben sehen wie der Jefferies-Analyst. Der Experte von Mediobanca etwa verhängte am Mittwoch ein Kursziel von bloss 28 Franken.
Auffallend ist ohnehin, dass die hohen Kursziele für die UBS-Aktie insbesondere aus dem angelsächsischen Bereich stammen. Auch Schweizer Experten und Vermögensverwalter sind zurückhaltend. So stand Ende Dezember die Aktie der UBS bei kaum einer Schweizer Bank auf den Empfehlungslisten oder “«Top Picks» für das Jahr 2026.
Nach wie vor etwas distanziert ist auch die Zürcher Kantonalbank. Zwar hält auch der für die UBS zuständige Analyst einen Kompromiss in der Kapitalfrage für zunehmend wahrscheinlich. Er bleibt aber vorsichtig, da der Prozess noch laufe und keine endgültigen Vorgaben zu den Kapitalvorschriften vorlägen. Unter Berücksichtigung von diversen Szenarien sieht er den fairen Wert der UBS-Aktie im Bereich von 39 bis 43 Franken.

