Nachfolgend ein Überblick, wie es um die nach Brasilien zweitgrösste Volkswirtschaft Südamerikas bestellt ist:

Inflation

Die Teuerungsrate liegt aktuell bei 143 Prozent. Und damit dürfte das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht sein. Analysten sehen die Inflationsrate einer Umfrage der Zentralbank zufolge bis Jahresende auf 185 Prozent steigen. Um die Inflation einzudämmen, hat die Zentralbank ihren Leitzins auf 133 Prozent angehoben. Das macht Kredite teurer, was wiederum das Wirtschaftswachstum beeinträchtigt.

Peso

Die argentinische Landeswährung unterliegt seit dem Börsencrash von 2019 Kapitalverkehrskontrollen, durch die Devisengeschäfte beschränkt werden. Das hat zu einem kaum mehr überschaubaren Geflecht von Wechselkursen geführt - mit Namen wie «Coldplay-Dollar», «blauer» Dollar und «Malbec-Dollar». Der Dollar wird auf dem Schwarzmarkt für weit mehr als das Doppelte des offiziellen Kurses von 350 pro Dollar gehandelt. Milei will die Kapitalverkehrskontrollen rasch aufheben und die Wirtschaft «dollarisieren», sie also an die US-Währung binden.

Zentralbankreserven

Die Devisenreserven der argentinischen Notenbank sind aktuell so niedrig wie seit 2006 nicht mehr. Experten der Bank JPMorgan gehen sogar davon aus, dass sie mit 15,3 Milliarden Dollar in den roten Zahlen stehen. Ein Grund dafür: Eine grosse Dürre hat die Exporte von wichtigen Nutzpflanzen wie Soja, Mais und Weizen beeinträchtigt. Die geringen Reserven bedrohen die Fähigkeit des Landes, seine Schulden bei seinem Hauptgläubiger zu begleichen - dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der ein 44 Milliarden Dollar schweres Programm bereitgestellt hat. Auch Rückzahlungen an private Anleihegläubiger stehen auf dem Spiel. Zudem wird es schwierig, die wichtigsten Importe zu finanzieren. Die Regierung hat sich zuletzt auf einen Währungsdeal mit China geeinigt, um einen Teil der Kosten zu decken. Einige Zahlungen an wichtige Handelspartner wie Brasilien mussten bereits verschoben werden.

Rezession

Das Bruttoinlandsprodukt wird einer Ökonomen-Umfrage der Zentralbank zufolge in diesem Jahr um zwei Prozent schrumpfen. Dazu trägt die Dürre bei, die Mais- und Sojaernte um die Hälfte reduziert hat. Zusammen mit der dreistelligen Inflationsrate dürfte dies zu einem Anstieg der Armut führen. Bereits jetzt leben zwei Fünftel der Argentinier unterhalb der Armutsgrenze leben, da ihre Gehälter und Ersparnisse aufgezehrt von den enormen Preissteigerungen aufgezehrt werden.

Ausblick

Argentinien könnte sich im kommenden Jahr wirtschaftlich erholen. Ergiebige Regenfälle signalisieren eine deutlich bessere Ernteausbeute, etwa für die Exportschlager Soja und Mais. Das dürfte mehr Devisen ins Land spülen. Auch dürfte weltweit die Nachfrage nach Lithium steigen, das für Batterien von Elektrofahrzeugen benötigt wird. Das Land hat jede Menge von dem Rohstoff. Auch die erwartet, dass die Schieferölproduktion ausgeweitet wird - und damit zugleich die Abhängigkeit von teuren Rohölimporten aus dem Ausland abnimmt. 

(Reuters)