Die Wirecard-Aktie hat ihren 62-Prozent-Kurssturz vom Donnerstag am Freitag noch drastisch ausgeweitet. Am Freitag verlor die die Aktie weitere 35 Prozent und schloss bei einem Wert von knapp 26 Euro. Am Mittwochabend wurden für die Aktie noch knapp 105 Euro gezahlt.

Zu den Käufern kurz vor dem Kurssturz zählt auch Frank Thelen. Nach der Razzia in der Aschheimer Firma Anfang des Monats hatte der Tech-Investor “eine Menge” Wirecard-Aktien erworben, in der Meinung, die Leute seien “in Panik verfallen”. “Sowas nutze ich immer sehr gerne, weil ich auf Fundamentals gucke”, hatte Thelen dem Videoblog Mission Money gesagt.

Vertrauen verloren

Am Freitag erklärte Thelen, das Vertrauen in das Unternehmen verloren zu haben. Zwar könne ein Unternehmen wie Wirecard eine Einbusse von 2 Milliarden Euro “wirklich ganz easy” stemmen. Aber dadurch, dass Markus Braun nun erneut “wieder nichts gesagt hat, muss ich davon ausgehen, dass das ganze Unternehmen Betrug ist. Das ganz Unternehmen kann Betrug sein”.

— Frank Thelen (@frank_thelen) June 19, 2020

Vielleicht löse sich “heute Abend auch alles auf und endlich sagt mal jemand, was in dem Unternehmen eigentlich noch wahr ist und was nicht”, so Thelen. Ihm sei es inzwischen egal. Er habe die Aktie am Morgen alle verkauft, “egal wo die Aktie hingeht”.

Kreditausfall-Swaps (CDS) für Wirecard deuten inzwischen auf eine Wahrscheinlichkeit von 82 Prozent hin, dass das Unternehmen bis Weihnachten zahlungsunfähig sein wird. Die Wahrscheinlichkeit für einen Ausfall in den nächsten fünf Jahren liegt laut Daten von ICE Data Services sogar bei 96 Prozent.

Neuer CEO

Wirecard hat den ehemalige Chief Compliance Officer der Deutschen Börse, James Freis, zum Interims-CEO ernannt. Zwischen 2007 und 2012 war Freis Chef des Financial Crimes Enforcement Network (FinCEN) beim United States Department of the Treasury. Seine berufliche Laufbahn begann der Jurist bei der Federal Reserve Bank New York.

Das grösste Kreditinstitut der Philippinen, BDO Unibank, hat der Zentralbank des Landes einen Betrugsfall in Sachen Wirecard gemeldet. Ein Angestellter habe Dokumente gefälscht und Unterschriften des Bankmanagements nachgemacht, teilte der CEO Nestor Tan mit. Konteninhaber sei Wirecard indessen nicht, es gebe keine Beziehung zur Bank. Die philippinische Zentralbank hat eine Untersuchung eingeleitet.

(cash/Bloomberg)