Die Aktien von Oerlikon haben am Montag an der Börse 5,5 Prozent auf 4,54 Franken zugelegt. Seit Jahresbeginn resultiert ein Plus von 32 Prozent. Damit liessen Oerlikon den Swiss Performance Index deutlich hinter sich, der in der gleichen Periode lediglich um 11,6 Prozent zulegte. 

Auslöser für die Kursgewinne am Montag war ein Broker-Call. Die Investmentbank Oddo BHF stufte die Aktie auf «Outperform» von «Neutral» hoch und erhöhte das Kursziel auf 5,30 von 3,90 Franken. Dies weckte neue Fantasie, da die Schätzungen nun über den bisherigen Prognosen liegen. Der zuständige Analyst zeigt sich überzeugt, dass Oerlikon im laufenden Jahr von Preiserhöhungen, einer anhaltend starken Nachfrage nach Oberflächenlösungen und einer generellen Erholung der Endmärkte profitieren werde. 

Zudem profitierten die Valoren von einer Rotation hin zu Industriewerten, wobei der Fokus bei Oerlikon auf einer erfolgreichen Umsetzung des Effizienzprogramms des Konzerns liegt. Beim Blick auf den AWP-Analyzer mag sich der eine oder andere Investor indessen die Frage stellen, ob die Kursrallye bereits ausgereizt ist. Zwei Ratings «Kaufen» stehen sechs «Halten» bei einem durchschnittlichen Kursziel von 4,16 Franken. 

Am unteren Ende der Skala rangiert die UBS, welche ein Kursziel von 3,80 Franken aufruft. Deren Analysten haben dabei ein KI-Modell hinzugezogen, das gemäss Modell für Oerlikon im 2. Quartal 2026 ein organisches Umsatzwachstum von rund 8 Prozent prognostiziert aufgrund des günstigen Nachfrageumfelds.

Die UBS-Experten kombinierten diese Daten hernach mit ihrer eigenen Bottom-up-Analyse und berücksichtigten dabei auch die jüngsten Rohstoffpreisänderungen. Infolgedessen passten die Experten die Prognosen für die Geschäftsjahre 2026, 2027 und 2028 um 25, 2 beziehungsweise 3 Prozent nach oben an. Dies führte zu einem Kursziel von 3,80 nach 3,55 Franken auf Basis des diskontierten Cashflows. Der Valor wird von der Schweizer Grossbank weiterhin mit «Halten» eingestuft.

Solide Zahlen im ersten Quartal 2026

Der Industriekonzern Oerlikon hatte im ersten Quartal 2026 klar mehr Aufträge erhalten als im Vorjahr. Der Auftragseingang legte um 7,9 Prozent auf 455 Millionen Franken zu, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Bereinigt um die negativen Währungseffekte ergab sich gar ein Plus von knapp 18 Prozent.

Der Umsatz sank wegen des Einflusses der Wechselkurse um 3,3 Prozent auf 378 Millionen Franken. Währungsbereinigt ergab sich hingegen auch hier ein Plus von 5,3 Prozent. Die Erwartungen der Analysten wurden damit übertroffen, beim Bestellungseingang sogar sehr deutlich.

Die Entwicklung sei vom Bereich Materialien getragen worden, aber auch der Verkauf von Anlagen habe ein positives Momentum gezeigt, heisst es zum Geschäftsgang im Startquartal. Dabei hätten höhere Preise geholfen, aber auch eine stärkere Nachfrage, insbesondere aus der Luftfahrt und der allgemeinen Industrie.

Die Kunden aus diesen Bereichen würden sich weiterhin darauf fokussieren, die Versorgung mit bestimmten kritischen Materialien wie Yttrium und Wolfram sicherzustellen. Diese erhöhte Nachfrage habe zu einem Mengenwachstum im Bereich Materialien geführt und gemeinsam mit den gestiegenen Rohstoffpreisen massgeblich zur Zunahme von Bestellungseingang und Umsatz geführt.

Andere Endmärkte, darunter Automobil, Werkzeuge und Luxusgüter, hätten indes erwartungsgemäss weiterhin Gegenwind verspürt. Regional gesehen setzte die APAC-Region die starke Entwicklung fort, während auch Nord- und Südamerika eine positive Entwicklung zeigten. In Europa sah Oerlikon Stabilisierungstendenzen.

Die bisherigen Prognosen für das Gesamtjahr 2026 werden basierend auf dem ersten Quartal sowie dem aktuellen Bestellungsbestand bestätigt, wie die Nachrichtenagentur AWP am 30. April schrieb. Demnach rechnet Oerlikon mit einem organischen Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich sowie einer operativen EBITDA-Marge im Bereich von rund 17,5 Prozent. Die geopolitischen Unsicherheiten und ein gedämpftes wirtschaftliches Umfeld dürften die globale Wirtschaft weiterhin belasten, so die im Februar formulierten Erwartungen.

Oerlikon legt am6. August die Halbjahreszahlen vor. 

Thomas Daniel Marti
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