Nach einem äusserst volatilen ersten Halbjahr 2026 erholt sich der Goldpreis. Das gelbe Edelmetall hat nach den durch den Iran-Krieg ausgelösten Korrekturen wieder auf 4450 Dollar pro Feinunze angezogen. Marktteilnehmer führen dabei drei Gründe für die Kurserholung an. Erstens habe sich die Volatilität normalisiert. Zweitens hätten sich spekulative Positionen über den Zweijahresdurchschnitt erholt. Und drittens sei das Put-Call-Verhältnis auf ein Sechsmonatstief gefallen. Insgesamt deute dies laut Marktbeobachter auf eine Rückkehr zu einer optimistischen Marktstimmung hin.
Die Zinssätze bleiben eine der wichtigsten Variablen für den Goldpreis, erklären die Experten von Société Générale (SG) in einem Kommentar vom Mittwoch. Die traditionelle inverse Korrelation zwischen Gold und US-Realrenditen sei seit Jahresbeginn mehrfach wieder aufgetaucht, insbesondere da die Märkte von der Einpreisung von drei Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank Fed auf die Erwartung von zwei oder mehr Zinserhöhungen umschwenkten.
Dies habe zu einer deutlichen Korrektur der Goldpreise nach oben beigetragen. Anders als in früheren Zyklen reichten die erhöhten Realrenditen jedoch nicht aus, um den längerfristigen Aufwärtstrend beim Gold zu stoppen. Dies deutet darauf hin, dass zusätzliche strukturelle Faktoren den Goldpreis stützten und die Kursrallye somit nach unten gut abgesichert sei.
Einer dieser Faktoren für die positive Goldpreisentwicklung ist der amerikanische Dollar. Dessen Schwäche stärkt die Kaufkraft von Investoren ausserhalb der USA und stützt die Goldnachfrage, was zu der Preiserholung beigetragen habe. Dabei gilt es zu beachten, dass der Schweizer Franken noch schwächer als der Dollar im globalen Kontext gehandelt wird. Gegenüber neun von zehn gewichtigen Währungen der G10 hat sich die Schweizer Valuta im Jahresverlauf abgeschwächt. Einzig zur schwedischen Krone resultiert ein Plus von 2 Prozent.
Ferner untermauere der allmähliche Rückgang des Dollaranteils an den globalen Währungsreserven und die steigenden Erwartungen an eine weitere Diversifizierung der Zentralbankreserven die These der Entdollarisierung, führen die SG-Experten weiter aus. Dies schaffe ein günstiges Umfeld für Gold als alternative Reserveanlage, betonen die Experten von Société Générale.
Die Ankäufe der Zentralbanken bilden - wie bereits in den vergangenen Jahren - weiterhin eine starke strukturelle Grundlage. Die Käufe sind nach wie vor robust, angeführt von Polen, China und Kasachstan. Ferner kam zusätzliche Nachfrage aus Ländern wie Tschechien. Dies zeigen Daten des Branchenverbandes World Gold Council. Diesem Trend entsprechend erwarten 84 Prozent der Zentralbank, dass Gold in den nächsten fünf Jahren einen grösseren Anteil an den Reserveportfolios ausmachen wird.
Die ETF-Zuflüsse deuten gemäss Société Générale darauf hin, dass sich die Nachfrage von Finanzinvestoren allmählich erholt. Nach anhaltenden Abflüssen zwischen März und Juni hätten sich die Bestände im Sommer erholt. Dies deute darauf hin, dass sich die Nachfrage wieder an den positiven langfristigen Aussichten für Gold orientiere.

