Viele Anlegerinnen und Anleger tun sich schwer, beim Gold einzusteigen. Die Schwankungsanfälligkeit des Edelmetalls verunsichert und der Entscheid wird hinausgeschoben, weil der Einstiegszeitpunkt falsch sein könnte oder die Positionsgrösse nicht definiert ist. Ein klar definiertes Vorgehen und eine nachhaltige Strategie vereinfachen den Entscheid. 

Der erste Schritt ist, den Goldanteil im Portfolio festzulegen. Eine Gewichtung von 3 Prozent am Gesamtportfolio ist als Richtschnur ein kleiner Wert, 6 Prozent durchschnittlich und alles über 9 Prozent entsprechend ein hoher Wert. 

Mit der festgelegten Quote ist es allerdings nicht getan. Die Position muss zusätzlich periodisch angepasst werden, damit der festgelegte Anteil im Portfolio konstant bleibt. Das sogenannte Rebalancing tut genau das: Steigt der Preis, wird am Ende eines jeden Quartals der Anteil über dem festgelegten prozentualen Goldbestand verkauft. Im umgekehrten Fall wird wieder hinzugekauft, wenn der Preis fällt und die Quote unter den definierten Zielwert fällt. 

Eine deutlich höhere Quote für risikofreudige Anleger

Edelmetalle dienen nicht nur zur Stabilisierung der Renditen, sondern auch dem Erhalt der Handlungsfähigkeit in volatilen Marktphasen, hält das Department of Finance der Universität Zürich in einer Studie im Auftrag der Bank von Roll zu den Edelmetallen beim Vermögensaufbau fest. 

Die wichtigste Erkenntnis aus der Studie ist, dass ein Portfolio mit einer Gewichtung von 85 Prozent Aktien und 15 Prozent Edelmetallen langfristig eine höhere Rendite als ein reines Aktienportfolio erzielt. Je nach Risikotoleranz des Investors kann sogar ein Edelmetallanteil von über 20 Prozent sinnvoll sein. 

Für hiesige Investoren mit einem hohen Aktienanteil sahen die Studienautoren einen idealen Anteil von 9 Prozent Silber und 11 Prozent Gold. Unter Berücksichtigung von Einkommenssteuern auf die Zinsen von Obligationen und Dividenden von Aktien, verändert sich die Quote auf 25 Prozent Edelmetalle, bei einem international diversifizierten Anleger sogar auf 30 Prozent. Dies, weil die Einkommenssteuern auf ausbezahlten Dividenden die Rendite schmälern.

Ein Vergleich zwischen Gold und einer Anlage in den Weltaktienindex MSCI-World im Zeitraum von 1972 bis Anfang April ohne Berücksichtigung der Inflation kommt zu folgendem Ergebnis: Eine Investition von 100 Dollar in Gold wäre heute rund 6000 Dollar wert, während dieselbe Investition in den MSCI-World lediglich etwa 3400 Dollar erreicht hätte. 

Gold kann allerdings kein Aktieninvestment ersetzen. Unternehmensanteile liefern inklusive Dividenden die höhere Rendite ab. Das trifft aber nur zu, wenn die Dividenden reinvestiert werden. In diesem Falle hätte eine Investition in den MSCI-World einen Wert von rund 14’800 Dollar erzielt. Dieser Vorsprung reduziert sich jedoch deutlich, wenn die Besteuerung der Dividenden berücksichtigt wird. Insofern ist die Steuer- und Einkommensplanung bei der Aktien- und Goldgewichtung ein zu berücksichtigender Faktor. 

Risikokontrolle ist entscheidend

Vor einem sei weiterhin gewarnt: Bei stark fallenden Edelmetallpreisen können auch bei einer aktiven Rebalancing-Strategie Kursverluste eintreten. Der wesentliche Vorteil liegt andererseits jedoch auf der Hand: Anlegerinnen und Anleger gehen dem Risiko aus dem Weg, zu Höchstkursen zu kaufen und zu Tiefstkursen zu verkaufen. Deshalb ist dies ein disziplinierter Weg, um von den Marktschwankungen zu profitieren.

Mit dem Anpassen der Gewichtung bringt ein Investor zusätzliche Stabilität rein. Je höher der Gesamtanteil an Edelmetallen ist, desto häufiger sollte das Rebalancing stattfinden. Wer eine Gewichtung von 3 Prozent hat, ist mit einer halbjährlichen Anpassung gut beraten. Bei 6 Prozent drängt sich ein quartalsweises Rebalancing auf, bei mehr als 9 Prozent ein monatliches. 

Wer Gelegenheit hat, kann das Rebalancing bei Bedarf vornehmen, da bei volatilen Assets wie Edelmetallen in kurzer Zeit hohe Gewinne wie auch Verluste anfallen können. So ging es zwischen August 2025 und Ende Januar 2026 mit dem Goldpreis um 61 Prozent nach oben. Zwischen Ende Januar und Ende März folgte eine rasante Preiskorrektur und der Goldpreis fiel um 26 Prozent. 

Dieser Artikel erschien zuerst am 16. April 2026 auf cash.ch.

 

Thomas Daniel Marti
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