Für Analysten von J.P. Morgan Private Bank ist eine Rezession in den USA gegen Ende Jahr zwar wahrscheinlich, doch der Aktienmarkt werde nicht auf den Stand von Oktober 2022 zurückfallen. Die langfristigen Renditenaussichten hätten sich verbessert. "Es ist noch zu früh, um von einem Bullenmakrt zu reden - aber wir sehen auch keinen Bärenmarkt auf uns zukommen", werden die Analysten in ihrem Halbjahresausblick zitiert.

Für ihren neuesten Report hat die Privatbank Kundendaten analysiert und drei Tipps zusammengetragen. Mit diesen seien Anlegerinnen und Anleger in den nächsten 12 Monaten gut beraten.

1. Das Portfolio jetzt für den nächsten Bullen-Markt vorbereiten

Als 2022 die globalen Aktien um 20 Prozent einbrachen, hätten Kundinnen und Kunden von J.P. Morgan Private Bank richtig reagiert, indem sie Aktien verkauft haben. "Doch in den 30 Wochen, seit sich der Aktienmarkt im Oktober erholt hat, haben unsere Kundinnen und Kunden bloss während 7 Wochen netto Wertpapiere zugekauft", schreibt die Bank. Die hohe Volatilität müssten Anlegerinnen und Anleger jedoch nutzen, um ihr Aktienportfolio wieder neu aufzubauen. Denn der Aktienmarkt werde auch in der zweiten Jahreshälfte volatil bleiben.

Grund für den Optimismus zieht J.P. Morgan Private Bank einerseits aus den robusten Umsätzen der US-Unternehmen. Andererseits habe beispielsweise der Technologiesektor seine Rezession bereits im letzten Jahr erlebt, daraufhin verfügten die Unternehmen Entlassungen, orientierten sich neu und sind seitdem die treibenden Kräfte am Markt. 

2. Sich auf die ganze Welt statt nur auf die USA konzentrieren

Kundinnen und Kunden der J.P. Morgan Private Bank haben eine Schwäche für ihre Heimmärkte. Bei US-Anlegern sind beispielsweise europäische Aktien untergewichtet - obwohl die Märkte in Europa in den letzten 12 Monaten sowohl ihre Gegenüber in den USA als auch China übertrumpft haben. "Trotzdem handeln die europäischen Titel noch zu Discountpreisen", schreibt die Privatbank. Für europäischen Aktien, insbesondere für die grossen multinationalen Konzerne, würden gleich mehrere Gründe sprechen:

- Ein grösserer Bewertungsabschlag als üblich gegenüber den USA

- Eine beeindruckende Widerstandsfähigkeit angesichts mehrerer externer Schocks

- Einkaufsmanagerindizes auf Mehrjahreshoch

- Niedrigerer Energiepreise

-Der Ausstieg aus der Negativzinspolitik

Auch für China zeigt sich J.P. Morgan Private Bank optimistischer als es die neuesten Wirtschaftszahlen vermuten lassen. Ein wichtiges Zeichen für die Unterstützung der Wirtschaft durch die Regierung ist auf dem höchsten Stand seit der Zeit vor der Pandemie: das Wachstum der Neukredite. Investitionen in China seien mit grösserem Risiko verbunden, "wir sind jedoch der Meinung, dass bestimmte Anleger für das Eingehen dieses Risikos in der zweiten Jahreshälfte eine höhere Rendite erzielen könnten."

3. Mehr Anleihen, weniger Cash

J.P. Morgan Private Bank erwartet, dass Bargeldzinsen bald ihren Höhepunkt erreichen und sich danach in der Nähe der Inflationsrate bei 2,5 Prozent einpendeln werden. Damit sollten die Bargeldzinsen demnächst von Kernanleihen überflügelt werden, denn für sie rechnet die Privatbank mit einer Rendite von 4,5 Prozent. 

Die Geschichte sei kein perfekter Leitfaden, aber sie helfe, zu veranschaulichen, worauf Kunden verzichten könnten, wenn sie in Bargeld bleiben anstatt in festverzinsliche Basiswerte zu investieren. Während der letzten sieben Zinserhöhungszyklen der Fed haben festverzinsliche Anleihen kumulativ um durchschnittlich 14 Prozent besser abgeschnitten als Bargeld in den zwei Jahren nach der letzten Zinserhöhung und haben noch nie unterdurchschnittlich abgeschnitten. "Schliesslich bieten Anleihen wieder eine stabile Einkommensquelle und das Potenzial für einen Portfolio Schutz bei einem wirtschaftlichen Abschwung", schreibt die Bank.

(cash)