Wird Nestlé mit den Zahlen enttäuschen?

Übermorgen legt Nestlé das Jahresergebnis vor. Dass eine amerikanische Bank im Vorfeld ein dickes Fragezeichen setzt, sorgt für Nervosität. Droht eine weitere Ergebnisenttäuschung?
16.02.2016 08:34
Von Lorenz Burkhalter
Der prunkvolle Hauptsitz des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé im waadtländischen Vevey.
Der prunkvolle Hauptsitz des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé im waadtländischen Vevey.
Bild: Bloomberg

In den letzten Wochen machte die Nestlé-Aktie ihrem Ruf als "Fels in der Brandung" alle Ehre. Während der Swiss Market Index (SMI) prozentual zweistellige Kursverluste zu beklagen hatte, kamen die Aktionäre des Nahrungsmittelherstellers aus Vevey mit einem blauen Auge davon. Seit Jahresbeginn errechnet sich gerademal ein Minus von knapp 2 Prozent.

Am Donnerstag wird Nestlé als letztes der drei SMI-Indexschwergewichte den Zahlenkranz für das vergangene Jahr vorlegen. Verhält es sich wie anlässlich der Halbjahresergebnispräsentation von Ende August, droht ein Kursrückschlag. Damals enttäuschte das Traditionsunternehmen nicht nur beim Umsatz sondern auch bei den Margen. Dementsprechend gross ist die Nervosität.

Bleibt die erwartete Wachstumsbelebung aus?

Öl ins Feuer giesst am Dienstag früh der für Jefferies tätige Analyst. Nur wenige Tage vor der Ergebnisveröffentlichung stuft er die Aktie von Nestlé mit einem neu 75 (79) Franken lautenden Kursziel von "Kaufen" auf "Halten" herunter.

Vor allem seine Begründung lässt hellhörig werden: Das langfristige Ziel eines organischen Umsatzwachstums von 5 bis 6 Prozent im Jahr sei nicht mehr länger realistisch, so der Experte. Er selber hält ein Wachstum zwischen 3 und 4 Prozent sowie eine gesunde Balance zwischen Margenentwicklung, Barmittelgenerierung und Wachstum für wichtiger.

Viele seiner Berufskollegen sehen Nestlé übermorgen von einer Wachstumsbeschleunigung im Schlussquartal auf 4,5 Prozent berichten. Für das Gesamtjahr erwarten Experten ein organisches Wachstum von 4,3 Prozent.

Jubiläumsdividende oder Aktienrückkaufprogramm?

Aufgrund des starken Frankens dürfte der Jahresumsatz dennoch um 3 Prozent auf 88,9 Milliarden Franken geschmolzen sein. Beim Reingewinn ist im Jahresvergleich sogar mit einem Rückgang um einen Drittel auf 9,8 Milliarden Franken zu rechnen, wurde das letztjährige Ergebnis doch durch Veräusserungsgewinne auf L'Oréal-Aktien aufgebläht.

Die Sache retten könnten am Donnerstag eine Sonderdividende oder ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm. Alleine schon das 150. Firmenjubiläum spricht über die reguläre Ausschüttung hinaus für einen kleinen Zustupf für die Aktionäre. Schliesslich verfügt Nestlé über eine grundsolide Bilanz.

Aktie weiterhin beliebt

Trotz dem weiterhin anspruchsvollen Umfeld rechnen Analysten im laufenden Jahr sogar mit einer organischen Wachstumsbeschleunigung auf 4,7 Prozent. Wie schon in den vergangenen zwei Jahren liegen die Prognosen damit leicht unter den vom Unternehmen selber angestrebten 5 bis 6 Prozent. Der für Jefferies tätige Experte erwartet sogar nur ein organisches Umsatzwachstum von 4,3 Prozent und warnt vor Enttäuschungen. 2016 dürfte damit zum dritten aufeinanderfolgenden Jahr mit einem unterdurchschnittlichen Wachstum werden.

Davon lässt man sich bei den anderen Banken bislang jedoch nicht ins Bockshorn jagen: Gemäss Erhebungen der Nachrichtenagentur AWP empfehlen neun von 24 Banken die Nestlé-Aktie zum Kauf und nur gerade deren zwei zum Verkauf. Bei den Kurszielen liegt die Bandbreite zwischen 60 und 100 Franken mit einem Mittelwert von rund 77 Franken.

Wie die Aktie am Donnerstag auch immer auf das Jahresergebnis reagiert, wird Auswirkungen für die Schweizer Börse haben. Mit einem Anteil von knapp einem Viertel an der Gesamtkapitalisierung ist Nestlé das grösste Unternehmen im SMI.