Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Eurozone stieg von Januar bis März nur um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, wie die Statistikbehörde Eurostat am Mittwoch mitteilte und damit eine Schätzzahl bestätigte. Ende 2025 war noch ein Zuwachs von 0,2 Prozent beim BIP erzielt worden.
Finnland erreichte in der Euro-Zone zu Jahresbeginn mit 0,9 Prozent die höchste Wachstumsrate. Rückgänge gab es hingegen in Irland (minus 2,0 Prozent) und in Litauen (minus 0,4 Prozent). Die deutsche Wirtschaft wuchs um 0,3 Prozent.
Seit Ausbruch des Nahost-Krieges Ende Februar sind die Energiekosten stark gestiegen, was die Wirtschaft belastet und zugleich die Inflation anheizt. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sieht die EZB vor diesem Hintergrund auf etwaige Zinserhöhungen zusteuern. «Wir können die hohen Energiepreise nicht ausblenden», sagte er dem «Handelsblatt» und fügte an: «Zinserhöhungen werden immer wahrscheinlicher, wenn sich das Inflationsbild nicht grundsätzlich ändert.»
Steigende Ölpreise infolge des Iran-Kriegs haben die deutsche Inflation im April bereits auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren getrieben: Waren und Dienstleistungen kosteten 2,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im Euroraum lag die Teuerungsrate sogar bei 3,0 Prozent und damit einen vollen Prozentpunkt über dem mittelfristigen Inflationsziel der EZB.
Nagel mahnt: Mandat lautet Preisstabilität
Auch wenn die Konjunktur schwach sei, müsse die Europäische Zentralbank an ihr Mandat denken, sagte Nagel: «Niemand erhöht gern Zinsen, wenn das Wachstum stark belastet ist. Aber unser Auftrag lautet Preisstabilität.» Er hatte jüngst darauf verwiesen, dass bei der nächsten EZB-Ratssitzung neue Prognosen zu Wachstum und Preisentwicklung vorgelegt würden: Sollten sich die Inflationsaussichten darin nicht merklich verbessern, spreche dies für eine Zinserhöhung.
Der EZB-Rat entscheidet am 11. Juni über den Leitzins. Die meisten Experten rechnen dann mit einer ersten Zinserhöhung in diesem Jahr. Zuletzt hatten die Währungshüter den Einlagensatz bei 2,0 Prozent belassen.
(Reuters)

