Sie dienen als permanente Orientierungshilfe für Anleger: Sogenannte "Management-Transaktionen". Kaufen oder verkaufen Top-Manager oder Verwaltungsräte von börsenkotierten Schweizer Gesellschaften Aktien der eigenen Firma, muss das der Schweizer Börse SIX gemeldet werden. 

Anleger erhoffen sich dadurch Hinweise über den Geschäftsgang der Firmen. Denn: Wer sonst ausser das eigene Top-Management sollte besser wissen, wie es um die Firma steht? Kauft ein Manager Aktien hinzu, kann dies als positives Signal gewertet werden. Verkäufe hingegen – wie zuletzt beim Dentalunternehmen Straumann vermehrt beobachtet – können auf eine baldige Geschäftsflaute hinweisen. Kann, muss aber nicht. Vor allem Verkäufe sind oft schwierig zu interpretieren und können auch aus rein privaten Gründen geschehen, wenn ein Manager etwa liquide Mittel für ein Hauskauf oder eine Scheidung benötigt. 

Auffallend waren im Monat die Aktienverkäufe bei Straumann. In insgesamt neun Tranchen trennten sich einer oder mehrere Top-Manager des Dentalimplantateherstellers von Aktien im Wert von über 5 Millionen Franken. Die Aktie ist seit Anfang Jahr 35 Prozent gestiegen, seit Ende April ist der Dampf aber draussen. Teile des Managements könnten zur Überzeugung gelangt sein, dass der Zeitpunkt für Gewinnmitnahmen im Mai richtig ist. 

Spannender sind meist die Zukäufe von firmeneigenen Aktien, die von Anlegern gemeinhin als Vertrauensbeweis in Zukunftsträchtigkeit des Unternehmens interpretiert werden. Aber Achtung: Auch Zukäufe sind verschieden interpretierbar. So kommt es nicht selten vor, dass Top-Manager bewusst firmeneigene Aktien kaufen, um bei Anlegern gezielt Vertrauen zu erwecken, obwohl eigentlich Vorsicht geboten wäre.

cash zeigt die auffälligsten Management-Käufe am Schweizer Aktienmarkt seit Anfang Mai sowie einen Verkauf, der hervorstach. 

Schmolz+Bickenbach

Insgesamt neun Mal kauften Manager von Schmolz+Bickenbach zwischen dem 10. und 23. Mai eigene Aktienpakete mit einem kumulierten Wert von rund 2,1 Millionen Franken. Was auffällt: Am 9. Mai musste der Stahlkonzern einen Gewinneinbruch im ersten Quartal sowie unsichere Prognosen verkünden. Einen Tag später geht die Shopping-Tour der Top-Manager im eigenen Laden los. Die erste Transaktion hat gleich ein Volumen von einer halben Millionen Franken. Hinter den Zukäufen steckt wahrscheinlich VR-Mitglied und Amag-Eigner Martin Haefner, der seinen Anteil 17 leicht auf 17,4 Prozent gesteigert hat.

Kurspflege oder Vertrauen in die Stärke des eigenen Unternehmens? Dem Aktienkurs tat das Engagement auf jeden Fall gut: Die zweiwöchige Kaufphase bescherte dem Titel ein Wachstum von mehr als 20 Prozent (siehe Chart). Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist, dass bei Schmolz+Bickenbach im letzten Jahr im gleichen Zeitraum genau dasselbe Prozedere vonstatten ging.

Aktienkursentwicklung von Schmolz+Bickenbach seit Anfang Jahr. Der letzte Anstieg nach oben zeigt das 20 prozentige Wachstum Mitte Mai. (Quelle: cash.ch).

Ypsomed

Beim Medizinaltechniker Ypsomed haben die firmeneigenen Aktienzukäufe fast schon Tradition. Auch im Mai hat der Verwaltungsrat wieder mit zwei Kauftranchen zu einem Gesamtwert von knapp 1,5 Millionen Franken zugeschlagen. "Hauptverdächtiger" ist stets Firmengründer, Ex-CEO und Verwaltungsratspräsident Willy Michel, der mit seiner Familie fast 75 Prozent der Ypsomed-Aktien kontrolliert.

Die Zukäufe konnten den Kurseinbruch der Aktie Ende Mai nicht verhindern. Nachdem der Hersteller von Infusionssystemen am 23. Mai schlechte Zahlen für das Geschäftsjahr verkündet hatte, sackte der Titel um 10 Prozent in die Tiefe und konnte sich seitdem noch nicht erholen. Ypsomed steckt mitten in einer Transformation, nachdem im letzten Jahr mit dem US-Insulinpumpenhersteller Insule ein wichtiger Partner den Distributionsvertrag kündigte.

Cham Group

Auch bei der Immobiliengesellschaft Cham scheint mindestens ein Top-Manager oder Verwaltungsrat in Kauflaune gewesen zu sein. In zwei Transaktionen wurden Aktienanteile von insgesamt 3 Millionen Franken gekauft. Ende April wählte die Generalversammlung Christoph Caviezel neu in den Verwaltungsrat. Cham wollte sich auf cash-Anfrage nicht dazu äussern, ob der ex-Mobimo-CEO hinter den Zukäufen steckt.

Den Aktienkurs stützte die Akquisition jedenfalls nicht. Der Kurs fiel nach dem ersten Zukauf am 8. Mai um 10 Prozent. Die Cham Gruppe befindet sich zurzeit im Umbruch. Der einstige Papierhersteller (Cham Paper) hat vor gut einem Jahr seine gesamte Papierproduktion an die südafrikanische Sappi-Gruppe verkauft und konzentriert sich seither auf das Immobiliengeschäft. Dazu baut das Unternehmen gerade das ehemalige Produktionsareal in Cham um. Über 1000 Wohnungen sowie Gewerbe und Gastronomie sollen dort entstehen.

KTM Industries

Bei KTM sind weiterhin die Eichhörnchen am Werk. Seit Oktober 2018 dauern die regelmässigen Zukäufe aus der Management-Etage bereits an. Nicht weniger als 100 Zukäufe zählt das Verzeichnis der Schweizer Börse SIX für den Töffhersteller seither. Allein 17 Käufe mit einem Gesamtvolumen von knapp einer Millionen Franken wurden im Monat Mai getätigt, allesamt von Mitgliedern der exekutiven Geschäftsleitung. Just im Oktober 2018 – als die regemässigen Zukäufe der KTM-Manager ihren Anfang nahmen – setzte die KTM-Aktie zum Sinkflug an, der sich bis heute fortsetzt, mit kleinen Aufs und Abs (siehe Chart).

Aktienkursentwicklung von KTM seit Oktober 2018 (Quelle: cash.ch).

Stand der Aktienwert im Oktober noch bei knapp 80 Franken, dümpelt der Titel seit Februar um die 60 Franken Marke herum. Sind die Käufe kursstützende Massnahmen? Oder setzt das Management auf eine Erholung der Aktie? CEO und Mehrheitsaktionär Stefan Pierer sprach vor ein paar Tagen bei Bloomberg von einem "sensationellen" Motorradmarkt in Europa im ersten Quartal, bereits 2018 wurde ein Rekordjahr erzielt. Das Kursgewinnverhältnis (KGV) mit geschätzt 27 ist relativ hoch.

Kühne + Nagel

Nachdem sich der Titel des Logistikers bis Ende April auf einem kleinen Höhenflug befand, sackte die Aktie bis Mitte Mai um 15 Prozent ab – hauptsächlich wegen des US-chinesischen Handelsstreits. Am 16. und 17. Mai kauften VR-Mitglieder eigene Aktienpakete im Wert von einer halben Millionen Franken. Für eine Kurspflege ist das eingesetzte Kapital zu gering. Vielmehr scheint (mindestens) ein VR-Mitglied die Zukunft des Spediteurs optimistisch zu sehen und auf einen steigenden Aktienkurs zu setzen. Ob sich sein Investment auszahlt, hängt in grossen Teilen von der Entwicklung des Handelsstreits ab.