«Wir haben in einer Studie die Welt in zwei hypothetische geopolitische Blöcke anhand des Wahlverhaltens in der Uno-Vollversammlung geteilt. Seit der russischen Invasion der Ukraine wächst der Handel zwischen diesen hypothetischen Blöcken um 4 Prozent langsamer als der Handel innerhalb der Blöcke», sagte Ossa in einem Interview mit der NZZ vom Samstag. Davor hatte sich der Handel parallel entwickelt.

Wenn die Weltwirtschaft wirklich in zwei Blöcke zerfiele, würde die Wirtschaftsleistung durchschnittlich um 5 Prozent zurückgehen, sagte der Deutsche: Besonders Entwicklungsländer wären davon betroffen. «Es geht aber um mehr: Wir brauchen den Handel, um wichtige Herausforderungen zu bewältigen.»

Dennoch sei bemerkenswert, wie resilient der Welthandel sei - trotz Pandemie, Krieg in Europa und im Nahen Osten, Rekordinflation, restriktiver Geldpolitik und geopolitischen Spannungen, sagte Ossa. Eine Deglobalisierung sehe die WTO noch nicht. «Wir sehen aber tatsächlich erste Anzeichen für eine Fragmentierung des Welthandels, die sich an der Geopolitik orientiert. Am deutlichsten sieht man dies zwischen den USA und China», sagte Ossa.

Das Niveau des Warenhandels sei jedoch immer noch hoch. «Teilweise wurde der Handel nur umgeleitet. Chinesische Waren kommen jetzt vermehrt über Vietnam und Mexiko in die USA», sagte der WTO-Chefökonom.

(AWP)