Der Rückversicherer Swiss Re dürfte im ersten Halbjahr einen klaren Gewinnanstieg vermelden und damit gut unterwegs für sein Gewinnziel 2026 sein. Zu verdanken ist dies wohl den verhältnismässig tiefen Grossschäden aus Naturkatastrophen wie auch guten Anlageergebnissen.
Gemäss dem AWP-Konsens von sieben Analystinnen und Analysten dürfte der Umsatz im ersten Halbjahr 2026 auf 20,35 Milliarden Dollar nach 20,95 Milliarden Dollar in der Vorjahresperiode betragen. Der Reingewinn wird auf 2,718 Milliarden Dollar geschätzt. Im ersten Halbjahr 2025 erzielte Swiss Re noch 2,605 Milliarden Dollar. Die Schaden-Kosten-Sätze (Combined Ratios) vom Schaden- und Unfallgeschäft (P&C) und Corporate Solutions (Corso) dürften beide fallen: P&C von 81,1 auf 80,1 Prozent, Corso von 88,2 auf 86,7 Prozent.
Wie präsentiert sich die Situation bezüglich Grossschäden?
Die Swiss Re und die weiteren Rückversicherer können auf ein weiteres Halbjahr mit relativ tiefen Grossschäden aus Naturkatastrophen zurückblicken. Eine Studie der Munich Re bezifferte unlängst die weltweiten Schäden solcher Ereignisse im ersten Semester auf rund 112 Milliarden Dollar, was leicht unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre lag. Von diesen waren nur etwa 40 Prozent versichert. Klar unter dem Durchschnitt blieben insbesondere die Schäden aus Tornados und Schwergewittern im wichtigen Versicherungsmarkt USA. Auf Interesse stossen dürften beim Swiss-Re-Abschluss nicht zuletzt die Ausführungen der Verantwortlichen zu den Schäden der derzeit wütenden Waldbrände aber auch zu den Erwartungen bezüglich der Hurrikansaison des laufenden Jahres.
Wie ist das zweite Quartal für Swiss Re verlaufen?
Swiss Re dürfte von dem milden Schadenverlauf im ersten Halbjahr profitiert haben. Der Gewinn für das Halbjahr wird bei rund 2,7 Milliarden Dollar erwartet. Weil die Schäden wohl klar unter dem Schadenbudget des Rückversicherers geblieben sind, könnte die Gesellschaft ihre Reserven weiter aufstocken. Zusätzliche Unterstützung für das Semesterresultat bietet wohl auch ein starkes Anlageergebnis dank gut gelaufener Finanzmärkte.
Wie sind die Erneuerungsrunden im Juni und Juli verlaufen?
Die im Sommer anstehenden Erneuerungen von Verträgen mit Erstversicherern dürften weitere Hinweise auf den derzeitigen Preisdruck in der Branche liefern, auch wenn sie nur einen relativ geringen Teil der Verträge betreffen. Per Anfang Juni liegt der Schwerpunkt der zu erneuernden Verträge traditionell auf US-Katastrophenrisiken wie etwa die Hurrikanrisiken in Florida. Per Anfang Juli steht jeweils zusätzlich die Erneuerung der Verträge auf dem australischen und neuseeländischen Markt an. Bei der Vertragserneuerungs-Runde im April 2026 hatte Swiss Re einen Nettopreisrückgang von 6,1 Prozent vermeldet.
Welche Ziele hat sich Swiss Re gesetzt?
Das Management des Rückversicherers hat sich für 2026 einen Jahresgewinn von 4,5 Milliarden Dollar vorgenommen. Im ersten Quartal hatte der Finanzkonzern mit einem Gewinn von 1,5 Milliarden Dollar bereits einen Drittel davon erwirtschaftet. Für die Sach- und Haftpflichtrückversicherung (P&C Re) strebt die Gruppe zudem einen Schaden-Kosten-Satz (Combined Ratio) unter der Marke von 85 Prozent an, in der Sparte Corporate Solutions soll dieser Wert unter 91 Prozent liegen. Die Sparte L&H Re soll 2026 einen Gewinn von 1,7 Milliarden erzielen. Zudem hat sich der Versicherer Sparziele gesetzt: Ende 2024 hatte Swiss Re Kosteneinsparungen von 300 Millionen bis 2027 angekündigt, was jährliche Einsparungen von rund 100 Millionen impliziert.
Wie entwickelt sich die Swiss Re-Aktie?
Die Titel von Swiss Re sind im bisherigen Jahresverlauf um gut 2 Prozent gestiegen, während der Gesamtmarkt gemessen am SMI eine Zunahme um etwa 8 Prozent verzeichnet hat. Bereits im Jahr 2025 entwickelten sich die Papiere des Rückversicherers unterdurchschnittlich.
Von Analystenseite zeigt sich allerdings ein etwas durchzogenes Bild: Von 20 Experten raten nur vier zum Kaufen, acht dagegen zum Halten und ebenso viele zum Verkaufen. Das durchschnittliche Kursziel wird bei etwas über 134 Franken gesehen. Das ist ein Abwärtspotenzial von knapp rund 1,5 Prozent
(AWP/cash)
