Sandoz dürfte für das erste Semester ein solides Wachstum ausweisen. Im Fokus der Anleger steht jedoch vor allem die Frage, ob sich der Gegenwind im Penicillin-Geschäft wie angekündigt abschwächt - und welche Signale das Management für die zweite Jahreshälfte sendet. Der Tag der Wahrheit ist am Mittwoch, wenn das Management die Bücher öffnet.

Dabei dürfte der Nettoumsatz auf 5,752 Milliarden US-Dollar gestiegen sein, nachdem er im ersten Halbjahr 2025 bei 5,232 Milliarden Dollar gelegen hatte. Die Generikasparte wird den von AWP befragten Analysten zufolge 3,908 Milliarden Dollar umgesetzt haben, während die Biosimilars-Sparte auf Verkäufe im Wert von 1,850 Milliarden Dollar kommen dürfte.

Der Kern-Ebitda wird auf 1,189 Milliarden Dollar geschätzt (erstes Halbjahr 2025: 1,046 Milliarden Dollar). Die entsprechende Marge dürfte sich auf 20,7 von 20,0 Prozent verbessert haben. Den Nettogewinn veranschlagen die Experten bei 752 Millionen Dollar (ersten Halbjahr 2025: 635 Millionen Dollar). 

Welche Themen stehen im Fokus?

Nachdem Sandoz im ersten Quartal noch Gegenwind im Penicillin-Geschäft gespürt hatte, wird die weitere Entwicklung hier durchaus Beachtung finden. In ihren Kommentaren vor den Halbjahreszahlen zeigen sich die meisten Analysten aber überzeugt, dass es sich hierbei um eine vorübergehende Delle handelt. Sie verweisen dabei einstimmig auf die jüngsten Aussagen des Managements, das den jüngsten Preisrückgang bei Penicillin-Wirkstoffen ebenfalls als vorübergehend bezeichnete und ihn auf zollbedingte Lieferverwerfungen zurückzuführte. Zudem hatte das Management selbst angekündigt, dass dieser Gegenwind im zweiten Quartal bereits kleiner ausfallen und in der zweiten Jahreshälfte ganz verschwinden werde.

Was ist von den Zahlen zu erwarten?

Insgesamt dürfte Sandoz weiter gewachsen sein. Allerdings hatte das Management auch hier bereits deutlich gemacht, dass das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte voraussichtlich stärker als in den ersten sechs Monaten ausfallen dürfte. Auch dies ist zum Teil der Schwäche der Penicillin-Wirkstoffe geschuldet.

Worauf ist noch zu achten?

Während die Zahlen durchaus wichtig sind, um einen Eindruck darüber zu bekommen, ob Sandoz die eigenen Ziele erfüllen wird, richtet sich der Blick der Analysten vor allem auf Anfang September. Denn dann wird die ehemalige Novartis-Tochter ihren Kapitalmarkttag abhalten. Laut Jefferies dürfte der Fokus dabei auf der langfristigen Strategie der «Golden Dekade» liegen. Die Veranstaltung dürfte die wichtigsten strategischen Inhalte liefern.

Ein weiteres Thema dürften die neuartigen GLP-1-Abnehmpräparate sein. Sandoz hatte hier in den letzten Wochen verschiedene News. Investoren werden sich bei der Zahlenvorlage eine bessere Einschätzung über das mögliche Marktpotenzial dieser Präparate erhoffen.

Nachdem Sandoz zum Wochenstart mitteilte, sich in den USA auf juristische Vergleiche geeinigt zu haben, dürfte die Handhabung der Rückstellungen hierfür möglicherweise ein Thema sein. Zusammengenommen beziffern sich die Vereinbarungen auf etwa 480 Millionen US-Dollar, für die Sandoz die bisherigen Rückstellungen aufstocken werde.

Welche Ziele hat sich der Konzern gesetzt?

Sandoz erwartet 2026 ein Umsatzwachstum im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich sowie eine Verbesserung der operativen Marge um rund 100 Basispunkte - 2025 lag die Core-EBITDA-Marge bei 21,7 Prozent.

Wie hat sich der High-Flyer bislang geschlagen?

Die Aktien der Generikaspezialistin kennen scheinbar nur eine Richtung: Aufwärts. Im laufenden Jahr gehören sie mit einem Plus von 14 Prozent wieder zu den stärksten Bluechips - ab September sind sie im SMI enthalten.

Bereits im vergangenen Jahr haben die Titel mit einem Plus von mehr als 50 Prozent manche Index-Kollegen blass aussehen lassen. Gemäss AWP-Analyser liegt das durchschnittliche Kursziel bei 70,73 Franken. Derweil empfehlen acht Analysten die Aktie zum Kauf. Sieben raten zum Halten. Zwei sind für Verkaufen.

(AWP/cash)