Zementhersteller - LafargeHolcim: Zahlenenttäuschung bleibt aus

Allen Unkenrufen zum Trotz liefert LafargeHolcim ein solides Halbjahresergebnis ab. Die Angst vor einer Kürzung der Jahresvorgaben erweist sich als unbegründet. Anschlusskäufe erfassen die Aktie.
27.07.2018 11:06
Von Lorenz Burkhalter
Ein Lastwagen von LafargeHolcim wird beladen.
Ein Lastwagen von LafargeHolcim wird beladen.
Bild: ZVG

An der Börse war die Angst vor einer weiteren Ergebnisenttäuschung beim Zementhersteller LafargeHolcim in den letzten Wochen allgegenwärtig. Das vom Weltmarktführer aus Jona am frühen Freitagmorgen veröffentlichte Halbjahresergebnis zeigt nun allerdings, dass diese Angst rückblickend völlig unbegründet war.

Sowohl beim Umsatz, als auch beim wiederkehrenden operativen Gewinn (EBITDA) werden die jeweiligen Analystenerwartungen nicht verfehlt, sondern leicht übertroffen.

Das macht die von einigen Analysten erwartete Kürzung der Zielvorgaben für das Gesamtjahr obsolet. Das Unternehmen hält denn auch an den bisherigen Vorgaben fest.

An der Schweizer Börse SIX erfassen Anschlusskäufe die LafargeHolcim-Aktie. Zur Stunde gewinnt sie noch 2,9 Prozent auf 50,24 Franken. Die Tageshöchstkurse liegen gar bei 50,86 Franken. Dennoch errechnet sich seit Jahresbeginn noch immer ein Minus von knapp 10 Prozent.

Schwaches Abschneiden in Nordamerika

Wie die Bank Vontobel schreibt, blickt LafargeHolcim auf ein solides zweites Quartal zurück. Der für die Zürcher Bank tätige Analyst findet insbesondere an der besser als erwartet ausgefallenen Umsatzentwicklung Gefallen. Dasselbe gilt für die gegen Quartalsende erzielten Verbesserungen beim operativen Cashflow, welche er auf Fortschritte beim Umlaufvermögen zurückführt. Der Vontobel-Analyst bekräftigt sowohl die Kaufempfehlung als auch das 58 Franken lautende Kursziel.

Auch sein Berufskollege bei der Zürcher Kantonalbank gewinnt dem Zahlenkranz vorwiegend positive Aspekte ab. Er zeigt sich überrascht von der starken Entwicklung in den Regionen Asien/Pazifik und Europa. Das schwache Abschneiden in Nordamerika enttäuscht den Analysten hingegen. Allerdings erwartet er in dieser Region in den nächsten Quartalen deutliche Gewinnverbesserungen. Auch bei der Zürcher Kantonalbank wird die LafargeHolcim-Aktie mit "Übergewichten" zum Kauf empfohlen.

Zweites Quartal erstmals ohne Sondereffekte

In Expertenkreisen kommt insbesondere die Wachstumsbelebung im zweiten Quartal gut an. Dasselbe gilt für den Gewinnbeitrag aus der Region Asien/Pazifik. Ein starker Zahlenkranz seitens der indischen Tochter ACC hatte letzteren vor wenigen Tagen bereits angekündigt (cash berichtete) und der Aktie des Schweizer Mutterhauses eine kräftige Kurserholung beschert.

Neben ACC dürfte LafargeHolcim auch die chinesische Tochter Huaxin das zweite Quartal gerettet haben. Das zumindest schreibt der für die UBS tätige Analyst in einer ersten Stellungnahme. Seines Erachtens dürften vor allem die beibehaltenen Zielvorgaben die Gemüter besänftigen. Er stuft die Aktie mit "Neutral" und einem 12-Monats-Kursziel von 49 Franken ein.

Bei Bernstein Research wird auf eine weitere Besonderheit hingewiesen. Der US-Investmentbank zufolge war die Geschäftsentwicklung im zweiten Quartal zum ersten Mal seit langer Zeit nicht von Sondereffekte geprägt, was den Zahlenkranz gut nachvollziehbar macht.

Diesjährige Zielvorgaben zusehends realistisch

Das Ergebnis weckt denn auch Zuversicht in die Erreichbarkeit der diesjährigen Zielvorgaben. Konzernchef Jan Jenisch strebt ein Umsatzwachstum auf vergleichbarer Basis von 3 bis 5 Prozent sowie eine Steigerung des wiederkehrenden operativen Gewinns (EBITDA) um mindestens 5 Prozent an.

Angesichts der schwierigen Situation in den Schwellenländern waren im Vorfeld der Halbjahresergebnisveröffentlichung Stimmen laut geworden, wonach die diesjährigen Zielvorgaben für den wiederkehrenden operativen Gewinn (EBITDA) unrealistisch seien.

Dass die Analysten nur mit einem Zuwachs zwischen 3 und 4 Prozent rechnen, zeugt allerdings weiterhin von einer gewissen Skepsis. Händler schliessen allerdings nicht aus, dass sich die Erwartungen im Anschluss an die Ergebnispräsentation den firmeneigenen Zielvorgaben von unten nähern könnten.