Trump drohte der iranischen Führung ausserdem mit einem grossen Angriff in der kommenden Nacht sowie einer neuen Seeblockade von Schiffen, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen. Alle anderen Schiffe könnten passieren.
Iran droht mit vollständiger Blockade der Strasse von Hormus
Im Gegenzug drohte der Iran, im Fall neuer US-Angriffe die für den internationalen Energiehandel wichtige Strasse von Hormus vollständig zu sperren. Wie der englischsprachige Staatssender PressTV unter Berufung auf eine gut informierte Quelle aus Sicherheitskreisen weiter mitteilte, sei der Iran bereit, für die Aufrechterhaltung seiner Kontrolle über die strategisch wichtige Wasserstrasse zu kämpfen. Der Iran mache dabei keinen Unterschied zwischen den USA und deren regionalen Partnern.
Auslöser der jüngsten Eskalation waren Trump zufolge iranische Angriffe auf drei Tanker in der Strasse von Hormus. Als Reaktion griff das US-Militär seit Mittwochnacht (Ortszeit) Dutzende Ziele im Iran an. Zudem setzen die USA Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft. Irans Streitkräfte beschossen daraufhin US-Ziele in den mit Washington verbündeten Golfstaaten Kuwait und Bahrain. Als eine Folge der Eskalation zogen die Ölpreise wieder an.
Explosionen in mehreren Provinzen an iranischer Küste
Das US-Militär bombardierte nach eigenen Angaben mehr als 80 Ziele im Iran, unter anderem Luftabwehrsysteme, Schiffsabwehrraketen sowie mehr als 60 Boote der Revolutionsgarden in oder nahe der Strasse von Hormus. Weitere Ziele waren Radaranlagen, die Trump zufolge gerade erst wieder aufgebaut worden waren. Iranische Medien berichteten von Explosionen an mehreren Provinzen an der Südküste. Mindestens ein Soldat der iranischen Flugabwehr wurde getötet.
Irans Revolutionsgarden, die Elitestreitmacht der Islamischen Republik, teilten daraufhin nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna mit, ihrerseits 85 Ziele in US-Militäreinrichtungen attackiert zu haben, darunter im Bereich der fünften US-Flotte vor Bahrain sowie auf dem Luftwaffenstützpunkt Ali Al Salem in Kuwait. Auch eine feindliche Drohne habe man abgeschossen.
Trump stellt Abkommen mit Iran offen infrage
Auf die Frage, ob seine Aussagen nun bedeuteten, dass Gespräche mit dem Iran nicht wieder aufgenommen würden, sagte Trump: «Das ist mir egal. Sie können reden, aber ich glaube, sie verschwenden ihre Zeit.» Trump fügte hinzu: «Wenn wir ein Abkommen mit dem Iran schliessen, glaube ich nicht, dass es Bestand haben würde. Das sind unehrliche Leute.»
Kein neuer Termin für Verhandlungen bekannt
Vertreter aus Washington und Teheran hatten sich Mitte Juni auf ein Rahmenabkommen verständigt. Es sollte eine 60-tägige Verhandlungsphase ermöglichen und den Weg zu einer dauerhaften Beilegung des Konflikts ebnen. Nach den jüngsten Kämpfen ist unklar, ob dieser Zeitplan noch Bestand hat.
Irans Nachbarland Pakistan hatte zwischen Teheran und Washington vermittelt. Gut informierte Kreise in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad wiesen am Mittwoch kurz vor Trumps Aussagen in Ankara noch Sorgen zurück, die jüngste Eskalation könne den Verhandlungsprozess gefährden.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mahnte am Rande des Natogipfels «viel Gelassenheit, Besonnenheit und Geduld» an. Man befinde sich weiter in der gesetzten Frist von 60 Tagen für Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran.
Angriffe während Irans Trauerfeiern für Chamenei
Die erneute Eskalation erfolgte während der andauernden Trauerfeiern für Irans getötetes Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei. Nach mehrtägigen Zeremonien folgten am Mittwoch Anhänger im benachbarten Irak Trauerfeiern für Chamenei, der am Donnerstag im Imam-Resa-Heiligtum seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt werden soll.
Die Streitkräfte der Islamischen Republik hatten ihren Feinden vor den Trauerfeierlichkeiten bereits gedroht. «Jede Fehlkalkulation wird mit einer entschlossenen und noch härteren Antwort als je zuvor beantwortet werden», hiess es in einer Erklärung der iranischen Revolutionsgarden. Zudem hatte Teheran in den vergangenen Tagen wiederholt erklärt, nur eine vom Iran vorgegebene Route durch die Strasse von Hormus sei sicher.
Experte: US-Regierung muss sich entscheiden
Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz schrieb auf X, wenn für Washington der Abschluss eines dauerhaften Abkommens mit dem Iran Priorität habe, müsse Washington akzeptieren, dass es «keine realistische Rückkehr zu dem Status quo» vor Beginn des Krieges in der Strasse von Hormus gebe. Die USA und Israel hatten den Krieg gegen den Iran am 28. Februar begonnen. Aus Irans Sicht hätten sich die Spielregeln seither geändert, schrieb Citrinowicz.
Es sei unwahrscheinlich, dass der Iran seinen Kurs aufgrund von zusätzlichem Druck ändern wird, hiess es. Sollte für die US-Regierung hingegen die Wiederherstellung des früheren Status quo im Vordergrund stehen, müsse sie sich auch im Klaren sein, dass die Chancen auf ein Abkommen «erheblich sinken, während das Risiko einer erneuten Eskalation steigt.» Die US-Regierung müsse sich entscheiden, welches Ziel für sie wichtiger sei, schrieb der Experte./da/DP/jha
(AWP)
