Er drohte Teheran ausserdem damit, in nicht allzu ferner Zukunft die für Irans Ölindustrie wichtige Insel Charg sowie andere Öl-Infrastrukturpunkte zu übernehmen. Die USA würden die «vollständige Kontrolle» über Irans Öl- und Gasmärkte erlangen. Auf der Insel Charg im Persischen Golf befindet sich Irans wichtigster Ölhafen. Dort wird fast der gesamte Ölexport der Islamischen Republik umgeschlagen. Sie ist daher von strategisch grosser Bedeutung.
Die US-Regierung erhöht damit den Druck auf den Iran in den stockenden Gesprächen um ein mögliches Rahmenabkommen über ein Ende des Krieges. Das Abkommen würde zunächst vertiefte Verhandlungen bedeuten.
Schon Beschüsse in der Nacht
Die USA und der Iran beschossen sich schon in der Nacht erneut heftig gegenseitig. Bereits in der Nacht zu Mittwoch hatte es gegenseitige Angriffe gegeben. Eigentlich gilt zwischen den Kriegsparteien seit zwei Monaten eine Feuerpause.
Laut iranischen Medien wurden bei Angriffen in der Provinz Teheran drei Menschen verletzt. Das Portal «Mehr» berichtete zugleich unter Berufung auf offizielle Stellen, in den frühen Morgenstunden (Ortszeit) sei in der Strasse von Hormus ein Boot, das mit Grundnahrungsmitteln beladen gewesen sei, von einem Geschoss der USA getroffen worden. Die Besatzung sei gerettet worden.
Das US-Militär sprach von Angriffen auf militärische Überwachungs- und Kommunikationsanlagen sowie Anlagen der Flugabwehr im Iran.
Indien: Drei tote Seeleute nach US-Angriff auf Tanker
Das US-Militär griff eigenen Angaben zufolge auch einen Tanker im Golf von Oman an, der versucht haben soll, iranisches Öl zu transportieren. Indien meldete drei tote indische Besatzungsmitglieder. Nach Angaben des Aussenministeriums in Neu-Delhi wurden 21 weitere Besatzungsmitglieder gerettet.
Die Besatzung des unter der Flagge des pazifischen Inselstaats Palau fahrenden Schiffes «Settebello» habe sich den Anweisungen der US-Streitkräfte widersetzt, teilte das für den Nahen Osten zuständige US-Regionalkommando (Centcom) mit. Indiens Aussenministerium verurteilte den Angriff und bestellte laut örtlichen Medien aus Protest den stellvertretenden Botschafter der USA in Neu-Delhi ein.
Die USA haben eine Blockade iranischer Häfen verhängt als Reaktion auf die faktische Blockade der Strasse von Hormus durch den Iran. Seit Mitte April wurden nach US-Angaben acht Schiffe manövrierunfähig gemacht. Mit der Blockade der Häfen machen die USA Druck auf den Iran, der wirtschaftlich stark vom Ölhandel abhängt.
Iran erklärt Meerenge für gesperrt
Das iranische Aussenministerium verurteilte die «grossangelegten» US-Angriffe der vergangenen Nacht scharf. Irans Militär reagierte auf die neuen US-Angriffe laut eigenen Angaben mit einer kompletten Sperrung der Strasse von Hormus. Jedes Schiff, das die für den Öl- und Gashandel wichtige Meerenge zu passieren versuche, werde angegriffen, hiess es in einer vom staatlichen Rundfunk verbreiteten Erklärung der iranischen Militärführung. Zwei Schiffe sollen laut Rundfunk beschossen worden sein.
Das US-Regionalkommando Centcom schrieb dagegen auf X: «Handelsschiffe fahren weiterhin heute Nacht in die Strasse von Hormus ein und heraus.»
Iran beschiesst arabische Länder
Der Iran griff zudem die Golfstaaten Bahrain und Kuwait in der Nacht an. Lokalen Behördenangaben zufolge wurde dabei in Bahrain ein elfjähriges Mädchen verletzt. In der Hauptstadt Manama und in dem Ort Hammad seien durch herabfallende Trümmerteile nach der Abwehr von iranischem Drohnenbeschuss zudem mehrere Fahrzeuge in Brand geraten und Wohnhäuser beschädigt worden.
Auch Jordanien fing laut eigenen Angaben in der Nacht 20 aus dem Iran abgefeuerte Raketen ab. Im Osten des Landes hat das US-Militär an einem Stützpunkt unter anderem Kampfflugzeuge stationiert.
Deutschland bereit für Einsatz in Hormus-Strasse nach Kriegsende
Kanzler Friedrich Merz signalisierte derweil erneut die Bereitschaft, dass sich Deutschland unter bestimmten Bedingungen für die Sicherung der für die weltweite Öl- und Energieversorgung wichtige Strasse von Hormus engagieren könne. Deutschland sei bereit, nach einem Ende des Konflikts in der Golfregion dort Verantwortung zu übernehmen, sagte der CDU-Chef in einer Regierungserklärung im Bundestag. Ziel bleibe, dass der Iran sein Nuklearprogramm auf Dauer beende. Die Bundeswehr bereitet sich seit Mai auf einen möglichen Einsatz unter anderem mit Minenjagdbooten in der Strasse von Hormus vor./rin/DP/men
(AWP)
