Trump verspricht sich davon, das Leben von US-Amerikanern «erschwinglich» zu machen: Viele von ihnen leben von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck und haben keine grossen Rücklagen. Zudem ist der Kauf auf Pump in den Vereinigten Staaten deutlich üblicher als in Deutschland, sodass sich viele verschulden und Kreditkartenzinsen jeden Monat aufs Neue bedienen müssen.
Nach Angaben der US-Notenbank Federal Reserve von November 2025 lag der durchschnittliche Zinssatz für Kreditkarten zwischen Ende 2023 und Ende 2024 bei 21,5 Prozent.
Trumps Ankündigung stiess bei den Banken und Lobbyvereinigungen auf Unmut. Die Zinsobergrenze werde dazu führen, dass Kredite eingeschränkter vergeben werden dürften und «verheerende Folgen für Millionen amerikanischer Familien und kleiner Unternehmen hätte», warnten sie in einer gemeinsamen Erklärung. Was genau die Konsequenzen sein sollen, liessen sie indes offen.
Überraschender Kurswechsel für «erschwinglicheres» Leben
Trumps jüngste Ankündigungen für ein erschwinglicheres Leben der US-Bevölkerung sind eine steile Kehrtwende in seiner politischen Ausrichtung: Neben dem Plan zur Deckelung der Kreditkartenzinsen hatte er jüngst auch in Aussicht gestellt, Profi-Investoren wie Banken, Versicherungen und grossen Konzernen den Erwerb von Einfamilienhäusern verbieten zu wollen. Er kündigte «umgehend» Massnahmen an - wie genau diese aussehen sollen, war unklar.
Zuvor hatte Trump noch den Streit um ein bezahlbares Leben in den USA immer wieder als grossen «Schwindel» der Demokraten abgetan. Umso mehr überrascht es, dass er den Begriff «Erschwinglichkeit» in den vergangenen Tagen aufgriff und neue Massnahmen ankündigte.
Trumps Pläne kommen Monate vor den wichtigen Kongresswahlen im November. Bei den sogenannten Midterms stehen alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und etwa ein Drittel der Sitze im Senat zur Wahl. Derzeit haben die Republikaner in beiden Kammern knappe Mehrheiten. Verliert Trumps Partei diese Mehrheit, dürfte seine restliche Amtszeit deutlich unangenehmer werden.
Kreditkartenbranche gerät unter Druck
Am Montag gerieten die Aktien von US-Branchengrössen wie American Express (Amex), Visa, Mastercard , aber auch die der britischen Bank Barclays unter Druck. In den USA sackten Amex vor dem Börsenstart um 4,4 Prozent auf 359,00 US-Dollar ab. Visa verloren 1,6 Prozent auf 344,24 Dollar und Mastercard sanken um 1,8 Prozent auf 565,37 Dollar.
In Europa traf es Barclays besonders kräftig. Das Papier büsste 3,1 Prozent auf 469,75 Pence ein. Die spanische Banco Santander und die französische Societe Generale verloren jeweils 1,7 Prozent. Hierzulande gaben die Papiere der Deutschen Bank dagegen um moderate 0,5 Prozent auf 32,89 Euro nach.
Analyst: Rahmenbedingungen der Branche auf den Kopf gestellt
Trumps Forderung nach einer Grenze von zehn Prozent für diese Zinsen entspreche in etwa der Hälfte des heutigen Durchschnittszinssatzes, schrieb der Analyst Matt Britzman von der britischen Investmentgesellschaft Hargreaves Lansdown.
Damit würden folglich die grundlegenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Branche auf den Kopf gestellt und die Kreditgeber gezwungen, ihr Risikomanagement und ihre Kreditvergabepolitik zu überdenken.
Analyst Britzman geht davon aus, dass die meisten Banken darauf mit einer Senkung der Kreditlimits, der Schliessung risikoreicherer Konten und einer Reduzierung der Prämienprogramme reagieren dürften, «da sie bei diesem Preisniveau Verluste einfach nicht decken könnten». Kartenorientierte Unternehmen in den USA wären am stärksten betroffen, aber auch grosse Universalbanken mit Kartensparten würden den Druck zu spüren bekommen./ngu/ck/DP/mis
(AWP)
