Auch Urananreicherungsanlage denkbar

Die milliardenschwere Vereinbarung solle eine Laufzeit von 30 Jahren haben, US-Unternehmen eine Schlüsselrolle beim Aufbau der saudischen Atominfrastruktur sichern und andere ausländische Konkurrenten ausschliessen, heisst es weiter. Eine zentrale Regelung sieht demnach vor, dass US-Unternehmen eine Urananreicherungsanlage in Saudi-Arabien bauen, sofern eine gemeinsame amerikanisch-saudische Studie zu dem Schluss kommt, dass ein solcher Schritt gerechtfertigt ist.

USA wollen militärische Nutzung ausschliessen

Nach Auffassung der Trump-Regierung würde diese Bestimmung den USA Einfluss auf das saudische Atomprogramm verschaffen und zugleich sicherstellen, dass es nicht für militärische Zwecke missbraucht werden könne. Dennoch dürfte die Vereinbarung, die in den kommenden Tagen dem Kongress in Washington zur Prüfung vorgelegt werden solle, nach Einschätzung beider Zeitungen auf Widerstand stossen. Viele Abgeordnete lehnten eine Ausweitung atomarer Technologie im politisch instabilen Nahen Osten ab.

Die «New York Times» berichtete unter Berufung auf Regierungsbeamte, Trump habe Kompromisse machen müssen, um die Vereinbarung zu erreichen. So habe er Bedingungen zugestimmt, die internationale Inspektoren möglicherweise daran hindern könnten, Zugang zu bestimmten Standorten zu bekommen. Gemeint seien Standorte, an denen der Verdacht aufkomme, dass dort Kernbrennstoff für Waffenprogramme abgezweigt werden könne.

Deal könnte noch am Mittwoch unterschrieben werden

Laut den Berichten könnte die Vereinbarung noch am Mittwoch unterzeichnet werden. US-Energieminister Chris Wright hatte bereits bei einer Reise in die Region im April 2025 über einen solchen Deal Gespräche geführt. Schon damals hiess es, denkbar sei ein neues Energie-Abkommen beider Länder, das den Weg für ein Atomprogramm in dem Wüstenstaat ebnen könnte.

Die USA hatten zuvor mit Saudi-Arabien Gespräche geführt über eine mögliche Normalisierung der bilateralen Beziehungen mit Israel. Im Gegenzug waren Unterstützung für Riad beim Atomprogramm und ein mögliches neues Sicherheitsabkommen im Gespräch. Die Verhandlungen wurden nach Beginn des Gaza-Kriegs Ende 2023 ausgesetzt. Saudi-Arabiens Kronprinz und faktischer Herrscher, Mohammed bin Salman, hat aber weiter ein «grosses Interesse» seines Landes daran geäussert.

In einem Interview des US-Senders CBS hatte der Kronprinz 2018 gesagt, dass Riad «so schnell wie möglich» Atomwaffen anstreben würde, wenn der Iran dies tun sollte. Saudi-Arabien und der Iran ringen seit langem um die Vorherrschaft in der Region. Beide Staaten näherten sich 2023 unter Vermittlung Chinas an. Das Misstrauen bleibt aber gross nach einer jahrelangen Rivalität, die auch vom konfessionellen Konflikt zwischen dem sunnitischen Islam in Saudi-Arabien und dem schiitischen Islam im Iran geprägt wird./jv/DP/nas

(AWP)