Nach dem vorläufigen Ergebnis liegt «El Tigre» (Der Tiger) - wie sich der Rechtspolitiker öffentlichkeitswirksam nennt - uneinholbar vorn und dürfte am 7. August den linken Amtsinhaber Gustavo Petro ablösen. Nach Auszählung von 99,99 Prozent der Stimmen kam er laut Angaben der Wahlbehörde auf 49,6 Prozent der Stimmen, sein linker Rivale Iván Cepeda auf 48,7 Prozent. Zwischen beiden Kandidaten lagen rund 250.000 Stimmen - angesichts von rund 41 Millionen Wahlberechtigten in Kolumbien ein uneinholbarer Vorsprung.

Während de la Espriella sich schon als Sieger feiern lässt, verwiesen Präsident Petro und sein Wunschkandidat Cepeda auf die noch ausstehende amtliche Überprüfung der Wahlprotokolle. Nach Angaben aus Cepedas Wahlkampfteam werden Ergebnisse aus rund 33.000 Wahlurnen angefochten. Die vorläufigen Ergebnisse gelten in Kolumbien allerdings als sehr verlässlich und weichen meist nur geringfügig vom amtlichen Endergebnis ab.

Rechtsruck in Lateinamerika

Mit dem sich abzeichnenden Wahlsieg de la Espriellas setzt sich ein Rechtsruck fort, der in mehreren Ländern Lateinamerikas zu beobachten ist. So kamen zuletzt unter anderem in Ecuador, Bolivien, Honduras, Chile und Costa Rica konservative oder wirtschaftsliberale Kräfte an die Macht. Mehrere konservative Staats- und Regierungschefs der Region gratulierten de la Espriella. So schrieb der argentinische Präsident Javier Milei, der sich den Beinamen «Löwe» verpasst hat und für seine ultralibertäre Haltung bekannt ist: «Der Löwe und der Tiger brüllen in Lateinamerika.»/ppz/DP/zb

(AWP)