Ein Erkundungsteam der Bundeswehr mit 15 Soldaten für mögliche Militärübungen war am Nachmittag unterwegs in die Hauptstadt Nuuk, es soll am frühen Abend dort eintreffen.
Es gehe um die Frage, ob die Arktis sicher sei und inwiefern Deutschland mit seinen Nato-Partnern dazu beitragen könne, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin.
Als Optionen nannte er Aufklärungsflüge der Marine, die Entsendung deutscher Fregatten zur Überwachung des Seeraums oder auch eine Verlegung von Eurofightern.
Auch Paris und London schicken Soldaten
Die am Mittwoch angekündigte Erkundungsmission mehrerer Nato-Verbündeter wird von Dänemark angeführt. Unter anderem Norwegen, Schweden, Finnland, Grossbritannien, Frankreich und die Niederlande schicken Soldaten.
Das weitgehend autonome Grönland gehört zum Hoheitsgebiet Dänemarks. US-Präsident Trump hat wiederholt deutlich gemacht, dass Amerika sich die grösstenteils von Eis bedeckte Insel einverleiben will - was die europäischen Nato-Partner vehement ablehnen.
Krisengespräche zwischen den USA, Dänemark und Grönland hatten ohne greifbare Ergebnisse geendet. Trump argumentiert, Grönland müsse den USA gehören, damit nicht die Russen und Chinesen zusätzlich Einfluss in der Region gewinnen.
Die US-Regierung zeigte sich von der Entsendung unbeeindruckt. «Ich glaube nicht, dass Soldaten in Europa den Entscheidungsprozess des Präsidenten beeinflussen oder dass das irgendeinen Einfluss auf sein Ziel hat, Grönland zu erwerben», sagte Trumps Regierungssprecherin Karoline Leavitt.
Mehrheit der Deutschen sieht Nato in Gefahr
Einer Umfrage zufolge glaubt der Grossteil der Deutschen, dass die Politik des US-Präsidenten den Fortbestand der Nato gefährdet. 78 Prozent der Befragten stimmen dieser Einschätzung zu, 18 Prozent glauben dies nicht. Das geht aus dem aktuellen ZDF-«Politbarometer» hervor. Der Rest der Befragten antwortete mit «weiss nicht».
Für Aufsehen und Beunruhigung sorgen Trumps Äusserungen vor allem, weil er bislang auch militärischen Zwang nicht ausschliesst, um Kontrolle über Grönland zu erlangen.
Das Nato-Gründungsmitglied Italien will keine Soldaten für die Erkundungsmission mit anderen europäischen Partnerstaaten abstellen. Verteidigungsminister Guido Crosetto sprach im Zusammenhang damit von einem «Witz».
Zugleich stellte die rechte Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni eine eigene Arktis-Strategie vor.
Im Fall der Fälle müssten EU-Staaten Dänemark zu Hilfe kommen
Eine Sprecherin der EU-Aussenbeauftragten Kaja Kallas stellte klar: Im Fall eines gewaltsamen Konflikts um Grönland könnten Deutschland und die anderen EU-Staaten auf Antrag Dänemarks hin Beistand leisten müssen.
Grönland sei Teil des Hoheitsgebiets des Königreichs Dänemark und fiele daher grundsätzlich unter die gegenseitige Solidaritätsklausel in Artikel 42 Absatz 7 des EU-Vertrags, sagte die Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur.
Zugleich betonte sie, dass sich die Frage einer Anwendung derzeit nicht stelle. Grundsätzlich gilt eine militärische Konfrontation als sehr unwahrscheinlich, weil sich vermutlich niemand mit der mächtigsten Militärmacht der Welt anlegen würde.
Russischer Botschafter wirft Nato Militarisierung der Arktis vor
Der russische Botschafter in Dänemark wirft der Nato angesichts der US-Ansprüche auf Grönland vor, in der Arktis aufrüsten zu wollen.
Nato-Staaten, einschliesslich Dänemark, nutzten das Schreckgespenst einer russischen oder chinesischen Bedrohung in grossem Stil, um die Arktis zu militarisieren, sagte Wladimir Barbin der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass.
Das Nato-Mitglied Dänemark verfolge «durch das Hineinziehen der Nato» in die Arktis einen konfrontativen Ansatz.
Russland mit seiner langen Nordküste am Polarmeer betrachtet die Arktis als seine Interessensphäre. Es nutzt verstärkt die Seewege in der Region und baut seine militärische Präsenz aus.
Scherz über Island in angespannter diplomatischer Lage
In Island gibt es Ärger nach einer angeblich scherzhaften Äusserung des designierten US-Botschafters Billy Long, die Insel im Nordatlantik könne ein US-Bundesstaat werden.
Wie mehrere Medien übereinstimmend berichteten, bat das Aussenministerium Islands die dortige US-Botschaft um eine Klarstellung.
Zuvor hatte das Nachrichtenportal «Politico» berichtet, dass der von US-Präsident Trump als Botschafter nominierte ehemalige republikanische Kongressabgeordnete gewitzelt habe, Island könne der 52. US-Bundesstaat werden - und er selbst dessen Gouverneur.
In Island starteten Bürger daraufhin eine Petition, die die Aussenministerin Katrín Gunnarsdóttir dazu auffordert, Long als Botschafter abzulehnen.
(AWP)
