«Wir sehen gegenwärtig keine Stornierungen und keine Verschiebung von Aufträgen», sagte er am Dienstagabend in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Zwar strichen manche Airlines derzeit Flüge oder verkleinerten ihr Netzwerk. Sie wollten aber weiterhin effizientere Flugzeuge, weil diese die Auswirkungen der hohen Treibstoffpreise verringerten.
Am Finanzmarkt wurden die Neuigkeiten zunächst dennoch negativ aufgenommen. Im nachbörslichen Handel auf der Plattform Tradegate verlor die Airbus-Aktie im Vergleich zum Xetra-Schlusskurs zuletzt fast zwei Prozent. Schon zuvor hatte das Papier im bisherigen Jahresverlauf rund 16 Prozent eingebüsst.
Im ersten Quartal sank Airbus' Umsatz im Jahresvergleich konzernweit um sieben Prozent auf rund 12,7 Milliarden Euro. Neben den rückläufigen Jet-Auslieferungen zehrte der schwache US-Dollar am Erlös, da Flugzeuge in Dollar gehandelt werden. Der operative Gewinn vor Sondereffekten (bereinigtes Ebit) brach sogar um mehr als die Hälfte auf 300 Millionen Euro ein, wie Airbus am Dienstag nach Börsenschluss mitteilte.
Unter dem Strich verdiente der Konzern mit 586 Millionen Euro gut ein Viertel weniger als im Vorjahreszeitraum und damit immerhin mehr als von Analysten im Schnitt erwartet. Allerdings verbrannte er vor Kundenfinanzierungen fast 2,5 Milliarden Euro an Barmitteln und damit weitaus mehr als von Experten geschätzt. Ein Jahr zuvor hatte der Mittelabfluss sogar nur bei 310 Millionen Euro gelegen.
Der Einbruch lag weitgehend am Geschäft mit Passagierflugzeugen, das den Löwenanteil von Airbus' Umsatz und üblicherweise auch den Grossteil des Gewinns liefert. In der Verkehrsflugzeugsparte brach der bereinigte operative Gewinn sogar um 84 Prozent auf nur noch 81 Millionen Euro ein. In der weitaus kleineren Raumfahrt- und Rüstungssparte ging es hingegen deutlich aufwärts, während das Geschäft mit Hubschraubern ebenfalls einen Rückgang verbuchte.
Faury beklagte sich erneut über schleppende Triebwerkslieferungen des US-Herstellers Pratt & Whitney. Die Tochter des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns RTX aus den USA liefert die wichtigen Getriebefan-Antriebe für den kleinsten Airbus A220 und etwa jedes zweite Exemplar der Modellfamilie A320neo, der meistgefragten Passagierjet-Reihe der Welt. An dem Antrieb arbeiten auch der deutsche Triebwerksbauer MTU sowie Japanese Aero Engines mit.
Ein Rückruf tausender Turbinen wegen eines Materialmangels hält die Hersteller seit dem Jahr 2023 auf Trab. Faury hatte Pratt & Whitney zuletzt vorgeworfen, in der Folge nicht genügend Antriebe für neue Flugzeuge zu liefern. Lufthansa-Chef Carsten Spohr gab dem Triebwerksbauer allerdings im März Recht mit der Strategie, zuerst von dem Mangel betroffene Airline-Kunden mit Ersatzteilen zu versorgen. «Und wenn man dann noch Ersatzteile übrig hat, kann man die an Airbus liefern für neue Flugzeuge», sagte er Anfang März.
Wegen der knappen Triebwerke und wegen Nacharbeiten an fehlerhaften Verkleidungen eines anderen Zulieferers erwartet Airbus-Finanzchef Thomas Toepfer, dass sich Airbus' Flugzeugauslieferungen 2026 stärker in Richtung Jahresende verschieben als im Vorjahr. Da hatte Airbus von insgesamt 793 ausgelieferten Jets 136 Stück erst im Dezember an seine Kunden übergeben.
Im laufenden Jahr will Faury die Zahl der Auslieferungen weiterhin auf rund 870 Verkehrsflugzeuge nach oben treiben und damit den Rekordwert von 863 aus dem Vor-Corona-Jahr 2019 leicht übertreffen. Der bereinigte operative Gewinn soll auf etwa 7,5 Milliarden Euro klettern. Der freie Barmittelzufluss soll dann mit rund 4,5 Milliarden Euro im positiven Bereich landen.
Hoffnung macht dem Vorstand, dass Airbus inzwischen Unstimmigkeiten mit China gelöst hat. Ohne diese Probleme hätte der Hersteller laut Faury im ersten Quartal etwa 20 Jets mehr ausliefern können und kann dies jetzt nachholen.
An Bestellungen mangelt es Airbus weiterhin nicht. Der Hersteller sass Ende März auf Orders über mehr als 9.000 Passagier- und Frachtflugzeugen, was rechnerisch der Produktion von mehr als zehn Jahren entspricht./stw/bek/he
(AWP)
