«Auch wenn wir es uns anders gewünscht hätten, die Mehrheitsverhältnisse auf der nächsten HV sind klar», stellte Weidmann mit Blick auf die Rolle der Unicredit auf künftigen Hauptversammlungen klar. «Jetzt geht es darum, in konstruktiven Gesprächen wichtige Eckpunkte für Mitarbeiter, Aktionäre und die Kunden der Bank festzulegen.»
«Alle sollten sich jetzt wie Erwachsene verhalten», schreibt Weidmann. Diese Gespräche seien auch im Interesse der Unicredit. Dabei werde es «keine Abkürzung über Berlin geben», erklärte er mit Blick auf die Bundesrepublik als Grossaktionär.
Nach Ansicht von Analysten dürfte sich der Prozess ohnehin noch länger hinziehen, auch wenn die Unicredit schon bald die Kontrolle über das Frankfurter Geldhaus erreichen dürfte. So hatte Analyst Werner Schirmer von der Landesbank Baden-Württemberg tags zuvor geschrieben, dass eine «Fusion von Coba mit der Hypovereinsbank anscheinend erst in rund drei Jahren geplant» sei. Die Hypovereinsbank ist die deutsche Tochtergesellschaft der Unicredit.
Die italienische Grossbank hatte mit einem freiwilligen Übernahmeangebot bis Anfang Juli weitere rund 17,6 Prozent der Commerzbank-Papiere an Land gezogen. Zusammen mit den 26,77 Prozent, die die Unicredit schon zuvor hielt, steigt der Anteil damit rechnerisch auf 44,37 Prozent. Zudem haben die Italiener über Kaufoptionen Zugriff auf weitere 3,22 Prozent der Commerzbank-Aktien und könnten so auf 47,59 Prozent aufstocken.
Allerdings muss die Europäische Zentralbank dieser weiteren Aufstockung noch zustimmen. Diese Genehmigungen könnten bereits im vierten Quartal erfolgen, hatte die Unicredit anlässlich ihrer Halbjahreszahlen erst am Vortag mitgeteilt.
Die Italiener wollen dann nach eigenen Angaben versuchen, die Kontrolle über die Commerzbank durchzusetzen und ihre Strategiepläne «kurz danach» zu verwirklichen. Um dies zu erreichen, wollen sie - falls nötig - eine ausserordentliche Hauptversammlung einberufen.
Nach Angaben vom Donnerstag setzt die Unicredit nun auf eine «konstruktive Zusammenarbeit» mit der deutschen Regierung und Vertretern der Commerzbank-Belegschaft. Der deutsche Staat kontrolliert noch rund zwölf Prozent der Commerzbank-Aktien. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte erst vergangene Woche gesagt, dass die Regierung eine mögliche Fusion nicht verhindern werde./mis/stw/mis/jha/
(AWP)
