Die Unicredit-Aktie verlor am Vormittag in Mailand gut zwei Prozent auf 81,50 Euro und gehörte damit zu den grössten Verlierern im schwächelnden Eurozonen-Index EuroStoxx 50 . Für die Commerzbank-Aktie ging es um 0,7 Prozent abwärts.

Die EZB muss der weiteren Aufstockung der Unicredit-Anteile an der Commerzbank noch zustimmen. Die Italiener wollen dann nach eigenen Angaben versuchen, die Kontrolle über die Commerzbank durchzusetzen und ihre Strategiepläne «kurz danach» zu verwirklichen. Um dies zu erreichen, wollen sie - falls nötig - eine ausserordentliche Hauptversammlung einberufen.

Nach Angaben vom Donnerstag setzt die Unicredit nun auf eine «konstruktive Zusammenarbeit» mit der deutschen Regierung und Vertretern der Commerzbank-Belegschaft. Der deutsche Staat kontrolliert noch rund zwölf Prozent der Commerzbank-Aktien.

Die Bundesregierung, die Commerzbank-Spitze und der Betriebsrat hatten sich Orcels Übernahmeplänen bisher widersetzt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte jedoch vergangene Woche gesagt, dass die Regierung eine mögliche Fusion nicht verhindern werde.

    Das Frankfurter Geldhaus reagierte auch am Donnerstag reserviert auf die Aussagen aus Mailand: «Wir haben die Aussagen der Unicredit zur Kenntnis genommen», teilte ein Sprecher mit. «Wir bleiben dabei: Nur ein konstruktiver Angang kann Wert für alle Stakeholder schaffen.»

Unterdessen erklärte die Unicredit, die Commerzbank entwickle sich von einer attraktiven finanziellen Investition zu einer strategischen Transaktion mit erheblicher Wertschöpfung. Orcel erwartet nach bisherigen Aussagen, dass die EZB sein Institut zur Vollkonsolidierung der Commerzbank verpflichtet, sollte sie aus Sicht der Aufsicht die Kontrolle über das Frankfurter Institut erlangen. Dies würde die Kapitalanforderungen für die Unicredit erhöhen.

Die italienische Grossbank hatte mit einem freiwilligen Übernahmeangebot bis Anfang Juli weitere rund 17,6 Prozent der Commerzbank-Papiere an Land gezogen. Zusammen mit den 26,77 Prozent, die die Unicredit schon zuvor hielt, steigt der Anteil damit rechnerisch auf 44,37 Prozent. Zudem haben die Italiener über Kaufoptionen Zugriff auf weitere 3,22 Prozent der Commerzbank-Aktien und könnten so auf 47,59 Prozent aufstocken.

Unterdessen schraubt die Unicredit ihre Gewinnziele noch etwas weiter nach oben. Im laufenden Jahr soll der Überschuss auf «deutlich» mehr als 11 Milliarden Euro steigen, teilte das Geldhaus mit. Bisher war von «mindestens» 11 Milliarden die Rede gewesen. 2028 sollen es nun «deutlich» über 13 Milliarden und 2030 «deutlich» über 15 Milliarden sein. Dabei seien die Ergebnisse der Commerzbank noch nicht zu hundert Prozent eingerechnet.

Im zweiten Quartal steigerte die Unicredit ihre Erträge um knapp sieben Prozent auf 6,5 Milliarden Euro. Der Überschuss sank zwar um 13 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro, dies lag jedoch an einem positiven Sondereffekt im Vorjahreszeitraum. So übertraf die Bank diesmal immer noch die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten./stw/mis/jha/

(AWP)