Die erneut deutlich gestiegenen Rohölpreise schürten Inflationserwartungen und belasteten die Kurse. Eine Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) wird wahrscheinlicher. Die Öffnung der Strasse von Hormus ist nicht in Sicht. Kurz vor der China-Reise von US-Präsident Donald Trump herrscht weiter Ungewissheit über die Zukunft des Iran-Kriegs. Trump stellte die seit fast fünf Wochen dauernde Waffenruhe öffentlich infrage. Grund dafür sei der «dämliche Vorschlag» aus Teheran zur Beendigung des Krieges, sagte er in Washington. «Sie ist so schwach wie nie, nachdem ich diesen Mist gelesen habe.» Unterdessen herrscht im Iran grosses Misstrauen.
Die am Nachmittag veröffentlichten Verbraucherpreisdaten aus den Vereinigten Staaten belasteten die Anleihen zusätzlich. Der Iran-Krieg hat die Inflationsrate im April erneut nach oben geschoben. Im Jahresvergleich stiegen die Verbraucherpreise um 3,8 Prozent. Im März hatte die Rate noch bei 3,6 Prozent gelegen. Volkswirte hatten mit einem Anstieg auf 3,7 Prozent gerechnet.
«Spätestens mit dem heutigen Zahlenwerk dürften Zinssenkungsdebatten vom Tisch sein», kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Der designierte Notenbankpräsident Kevin Warsh liebäugele mit Zinssenkungen, doch in Anbetracht der aktuellen Inflationsentwicklung werde er davon vorerst Abstand nehmen müssen. «Dass die Inflationsrate weiter steigt, liegt auf der Hand, schliesslich halten die Verspannungen an den globalen Energiemärkten an», schrieb Gitzel./jsl/he
(AWP)
