US-Energieminister Chris Wright hält einen Anstieg des Ölpreises auf 200 Dollar pro Barrel trotz des Krieges mit dem Iran für unwahrscheinlich. Er reagierte damit am Donnerstag auf Drohungen aus Teheran. Ein Sprecher ‌des ⁠dortigen Militärkommandos hatte gewarnt, der Preis könne diese Marke erreichen, sollte die regionale Sicherheit weiter destabilisiert werden.

Wright räumte ⁠im Gespräch mit dem Sender CNN zwar ein, dass die Lage ernst sei, betonte aber, die US-Regierung konzentriere sich auf den Militäreinsatz, ‌um die Sicherheit der Öllieferungen langfristig zu gewährleisten. Der Preisanstieg werde eher Wochen ‌als Monate andauern. Wrights Äusserungen wurden als indirektes Eingeständnis ​gewertet, dass ein kurzfristiger Preisschock nicht völlig ausgeschlossen werden könne.

An den Märkten sorgte der Konflikt weiter für Turbulenzen. Der Ölpreis schoss zeitweilig um mehr als neun Prozent nach oben und näherte sich der Marke von 100 Dollar je Fass. Zum Schluss des Aktienhandels in Deutschland lag er für die Sorte Brent bei 99,46 Dollar je Barrel, ‌ein Plus von 8,1 Prozent.

Zuvor waren in einem irakischen Hafen zwei Tanker nach mutmasslichen iranischen Angriffen in Brand geraten. Zudem bleibt die für den Welthandel wichtige Strasse von Hormus gesperrt. Der neue iranische Oberste Führer Modschtaba Chamenei bekräftigte ​am Donnerstag, die Meerenge werde als Druckmittel geschlossen bleiben. Die Internationale Energieagentur (IEA) sprach von ​der grössten Versorgungsstörung in der Geschichte des globalen Marktes.

Auch in den USA ​bekommen Verbraucher die Folgen des Konflikts an der Zapfsäule zu spüren. Der durchschnittliche Benzinpreis kletterte laut dem Verband AAA auf 3,60 Dollar pro Gallone (0,83 ‌Euro pro Liter). Präsident Donald Trump versuchte, die Sorgen zu dämpfen: Da die USA der grösste Ölproduzent der Welt seien, verdiene das Land an steigenden Preisen «eine Menge Geld», schrieb er im Internet. Allerdings hatte Trump im Wahlkampf niedrige ​Energiepreise versprochen. ​Die steigenden Kosten für Benzin und andere Güter könnten ⁠für seine Republikaner bei den im November anstehenden Zwischenwahlen zu einer Belastung ​werden.

Um Engpässe im Inland ⁠zu vermeiden, erwägt das Weisse Haus eine vorübergehende Aussetzung des sogenannten Jones Act. Das Gesetz aus dem Jahr 1920 ‌schreibt vor, dass Waren zwischen US-Häfen nur von Schiffen transportiert werden dürfen, die in den USA gebaut wurden, unter US-Flagge fahren und sich zum grössten Teil in US-Besitz befinden. Eine Lockerung ‌würde es ausländischen Schiffen erlauben, Treibstoff und Agrargüter innerhalb der USA zu befördern.

Dies ​könnte Transportkosten senken und Lieferungen beschleunigen. Kritiker sehen im Jones Act seit Langem einen Preistreiber, während Befürworter und Gewerkschaften die Bedeutung des Gesetzes für die heimische Schiffbauindustrie und Arbeitsplätze betonen.