Zurückzuführen ist der deutliche Rückgang der Inflation allerdings auch auf statistische Basiseffekte: Weil zum Beispiel Energie im vergangenen Jahr deutlich teurer geworden war und seither im Preis sogar wieder gesunken ist, wird die Inflationsrate deutlich nach unten gedrückt. Hinzu kommt, dass weitere Preise wie beispielsweise für Gebrauchtwagen nicht mehr ganz so stark steigen wie noch vor einigen Monaten.
Die Kerninflation fiel ebenfalls spürbar von 5,3 auf 4,8 Prozent. Bei dieser Rate werden schwankungsfreudige Energie- und Lebensmittelpreise ausgeklammert. Nach Meinung von Volkswirten gibt die Kernteuerung den allgemeinen Preistrend besser wieder als die Gesamtrate. Viele Notenbanken achten daher besonders auf diese Grösse. Die US-Notenbank Fed beobachtet darüber hinaus genau die Preise für Dienstleistungen, weil sich aufgrund des hohen Lohnanteils an den Preisen Zweitrundeneffekte durch hohe Lohnsteigerungen besonders gut erkennen lassen.
Inflationsdaten stehen derzeit besonders im Fokus, weil sie für die Geldpolitik der Fed von grosser Bedeutung sind. Die Notenbank stemmt sich seit März 2022 mit kräftigen Zinsanhebungen gegen die hohe Teuerung, die vor allem eine Folge des russischen Kriegs gegen die Ukraine ist. Im Juni hatten die Währungshüter erstmals seit längerem eine Zinspause eingelegt. Für die nächste Sitzung Ende Juli wird aktuell aber mit einer weiteren Erhöhung gerechnet.
Bankvolkswirte bestätigten derartige Erwartungen, auch wenn die Teuerung zuletzt deutlich gesunken ist. Zwar sei die Inflationsthematik für die Fed nicht mehr so akut wie noch vor wenigen Monaten, kommentierte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Die mittelfristigen Inflationsrisiken seien aber noch nicht gebannt. Als wichtiger Aspekt gilt der nach wie vor dynamische Arbeitsmarkt: "Mehr Jobs bedeuten mehr Einkommen und dadurch erwachsende Inflationsrisiken." Gerade deshalb werde die Fed Ende Juli wieder an der Zinsschraube drehen.
An den Finanzmärkten reagierte der US-Dollar mit Kurseinbussen auf die Daten. An den Anleihemärkten gingen die Kapitalmarktzinsen zurück, die Aktienbörsen reagierten positiv. Hintergrund ist, dass steigende Leitzinsen zwar dämpfend auf die Inflation wirken. Für die Wirtschaft stellen sie jedoch über teurere Kredite eine Belastung dar. Geht die Teuerung zurück, muss die Fed weniger auf die Zinsbremse treten, was Wirtschaft und Börse freut./bgf/jkr/he