Zwei Parlamentsausschüsse, die sich mit der Untersuchung von Sicherheitsbedrohungen und Risiken durch Peking befassen, forderten ABB-Konzernchef Björn Rosengren auf, sich bei einer öffentlichen Anhörung zu erklären. Die Ausschüsse des Repräsentantenhauses wollten prüfen, ob die Beziehungen von ABB zu chinesischen Staatsunternehmen US-Behörden und US-Häfen Spionagerisiken aussetzten und die Nationale Sicherheit gefährdeten, hiess es in dem von der Publikation «Politico» veröffentlichten Brief.

ABB erklärte in einer Stellungnahme, das Unternehmen prüfe das Schreiben und beabsichtige, gegebenenfalls zu antworten. «Wir nehmen diese Angelegenheit ernst.» Die USA und China sind die wichtigsten Märkte für den Hersteller von Robotern, Antrieben und Steuerungen. Die ABB-Aktien sackten 4 Prozent ab.

Dem Brief zufolge verlangten die Ausschüsse im Juli Dokumente von ABB zu Risiken für US-Häfen. Dazu gehörten Informationen zur Klärung der Geschäftsbeziehung mit Shanghai Zhenhua Heavy Industries (ZPMC).

Zudem sollte der Zürcher Konzern die Beziehungen zu staatlichen US-Stellen, die sich mit Verteidigung und geheimdienstlichen Tätigkeiten befassen, erläutern. Konkret wollte die Abgeordneten wissen, ob sich ABB an die chinesischen Sicherheitsgesetze gehalten habe.

ABB habe erklärt, dass sich das Unternehmen in allen Ländern an das geltende Recht halte. Dies Antwort beurteilten die Ausschüsse als «beunruhigend».

Die Installation von ABB-Ausrüstung durch ZPMC-Ingenieure in auf Hafenkräne, die in den USA eingesetzt werden sollen, sei ein Sicherheitsrisiko. ABB solle die Praxis überdenken und die Technologie nach der Ankunft der Kräne in den USA montieren.

Sammeln von Daten zum Güterumschlag

Wie ein Analyst der Bank Vontobel schreibt, werden nach Angaben des «Sonderausschusses für den strategischen Wettbewerb zwischen den Vereinigten Staaten und der Kommunistischen Partei Chinas» in der Software von ABB sogenannte «Hintertüren» (engl. Backdoors) vermutet. Diese könnten dazu verwendet werden, Daten über den Güterumschlag zu sammeln und an die chinesische Regierung zu liefern oder sogar zivile oder militärische Häfen in den USA lahmzulegen.

80 Prozent aller Hafen-Kräne in den USA würden von genau einem chinesischen Unternehmen namens ZPMC geliefert, dem ABB seine Automatisierungssoftware zur Verfügung stelle, so der Analyst.

Losgetreten hatte das Thema der schwedische Rundfunksender «Sverige Radio». Er hatte laut Bloomberg zunächst von einer Untersuchung berichtet, die im Zusammenhang mit möglicher Spionage und Sicherheitsbedrohungen stehe. China ist der zweitgrösste Markt für ABB.

(Reuters/AWP)