Ziel der Massnahmen sei es, die inländische Produktion zu stärken, Lieferketten abzusichern und die Abhängigkeit von Importen zu reduzieren, teilte die US-Regierung mit. Für Länder mit Handelsvereinbarungen - dazu zählen die Schweiz, die EU, Japan und Südkorea - gilt der deutlich tiefere Satz von 15 Prozent. Generika und Biosimilars sind vorerst von den Zöllen ausgenommen, könnten aber zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls einbezogen werden.
Der Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz, Interpharma, forderte am Freitag in einer Stellungnahme auf Linkedin, dass sich die Schweiz in ihren Zollgesprächen mit den USA für eine gleichwertige Lösung wie für das Vereinigte Königreich einsetzen solle. «Das Ziel muss sein, dass die Pharmaindustrie von Zöllen möglichst befreit wird.»
Die von den USA verhängten Zölle gefährdeten die globalen Produktions- und Lieferketten für Arzneimittel, behinderten Forschung und Entwicklung und schadeten Patientinnen und Patienten weltweit. Der Entscheid könne Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit haben. Die Schweiz müsse sich nun darauf konzentrieren, ihre eigenen Rahmenbedingungen zu verbessern. Es brauche umfangreiche Reformen, um den Pharmastandort Schweiz zu sichern.
Zölle sollen in vier Monaten in Kraft treten
Die nun angekündigten Zoll-Massnahmen sollen in 120 Tagen für grosse Unternehmen und in 180 Tagen für kleinere Firmen in Kraft treten.
Die genauen Auswirkungen für die Schweizer Pharmabranche waren zunächst unklar. Die USA sind der wichtigste Absatzmarkt für Schweizer Pharmafirmen.
Unternehmen können die Zölle den Angaben zufolge reduzieren oder ganz vermeiden, wenn sie - wie bereits früher durch Trump angekündigt - Produktionskapazitäten in den USA aufbauen und Preisvereinbarungen mit den Behörden abschliessen. In solchen Fällen können die Abgaben vorübergehend entfallen oder deutlich gesenkt werden - teils bis Anfang 2029.
Die US-Regierung hat bereits mit mehr als einem Dutzend grosser Pharmafirmen entsprechende Vereinbarungen getroffen. Diese verpflichteten sich, Medikamentenpreise in den USA stärker an internationale Vergleichsniveaus anzupassen und im Gegenzug Investitionen in Milliardenhöhe in den USA zu tätigen. Insgesamt summieren sich die zugesagten Investitionen laut US-Regierung auf mehrere hundert Milliarden Dollar.
Roche und Novartis mit Deal
Bereits im Dezember 2025 hatten die Schweizer Pharmariesen Roche und Novartis eine entsprechende Einigung mit der US-Regierung erzielt. Dabei verpflichtete sich etwa die Roche-Tochter Genentech, den Preis für ihr Grippemedikament Xofluza für Direktkäufer über die staatliche Plattform von 168 auf 50 US-Dollar zu senken. Novartis wiederum reduzierte den Preis für sein Multiple-Sklerose-Medikament Mayzent für entsprechende Patienten von 9987 auf 1137 Dollar.
Im Gegenzug wurde beiden Konzernen eine Befreiung von Zöllen auf Pharmaprodukte in den USA für drei Jahre in Aussicht gestellt. Gleichzeitig kündigte Roche Investitionen von rund 50 Milliarden Dollar an, während Novartis in den kommenden fünf Jahren etwa 23 Milliarden Dollar in den Ausbau von Forschung und Produktion in den USA investieren will.
Die neuen Pharmazölle sind Teil einer breiter angelegten, zunehmend sektorspezifischen Handelspolitik der USA. Ein Jahr nach der grossen Zoll-Offensive verschärft die Regierung damit den Druck auf internationale Unternehmen, ihre Produktion in die Vereinigten Staaten zu verlagern. Beobachter erwarten, dass dies mittelfristig zu Anpassungen globaler Lieferketten und Investitionsströme führt.
Stahlzölle: US-Regierung will Einnahmen erhöhen
Auch wurden Neuerungen bei Stahl, Aluminium und Kupfer angekündigt: Bei Stahlbalken und ähnlichen Produkten soll der Zollsatz von 50 Prozent künftig nicht auf den Preis des Exporteurs erhoben werden, sondern auf den Preis, der am amerikanischen Markt fällig wird. Die US-Regierung will damit ihre Einnahmen deutlich erhöhen.
«Wir haben nicht die gewünschten Zolleinnahmen erzielt, da die Welt die angegebenen Kosten für Stahlimporte nach Amerika künstlich gesenkt hat», sagte ein hochrangiger Regierungsbeamter. Mit der neuen Regel soll der künstlichen Verbilligung nun ein Ende bereitet werden.
Für andere Produkte wie Waschmaschinen könnte der Zollsatz hingegen sogar fallen. Solange sie zu mehr als 15 Prozent aus Stahl, Aluminium oder Kupfer bestehen, wird künftig ein einheitlicher Satz von 25 Prozent fällig. Zuvor war der 50-prozentige Satz auf den Anteil des Produkts fällig geworden, der aus einem der Stoffe besteht, wie der Regierungsbeamte ausführte.
(AWP)
