Im Oktober vergangenen Jahres hatte Maduro sich mit Teilen der Opposition in einem im Karibikstaat Barbados unterzeichneten Abkommen auf eine Präsidentenwahl verständigt, für die beide Lager ihre Kandidaten frei bestimmen dürfen. Die USA hatten «zur Unterstützung des Abkommens» damals Sanktionen gelockert, die Erleichterungen für den venezolanischen Öl- und Gassektor aber auf sechs Monate bis Mitte April befristet.
Beobachter rechnen allerdings nicht mit einer freien und fairen Wahl. Zuletzt wurden zahlreiche Oppositionelle sowie Mitglieder der Zivilgesellschaft festgenommen und regierungskritische Kandidaten von der Wahl ausgeschlossen. Die staatlich gelenkte Justiz belegte Oppositionsführerin María Corina Machado mit einem Amtsverbot. Ihr wurde wegen angeblicher Unregelmässigkeiten während ihrer Zeit als Abgeordnete die Ausübung öffentlicher Ämter für 15 Jahre untersagt. Ihre Ersatzkandidatin Corina Yoris konnte nicht in die Wahlliste eingetragen werden. Das Oppositionsbündnis einigte sich deswegen am Freitag auf den Diplomaten Edmundo González Urrutia als Präsidentschaftskandidaten. Er soll Maduro, der eine dritte Amtszeit anstrebt, bei der Wahl am 28. Juli herausfordern.
Das Erdölland Venezuela steckt seit Jahren in einer schweren politischen und wirtschaftlichen Krise. Die Wirtschaft des einst wohlhabenden Landes mit reichen Erdölvorkommen leidet unter Missmanagement, Korruption und Sanktionen. Mehr als sieben Millionen Menschen haben Venezuela nach UN-Angaben in den vergangenen Jahren wegen Armut und Gewalt verlassen.
(AWP)